Der neue Leser

Der neue Leser

von Sabria David
28. September 2011

Ich will es Ihnen offen sagen: Der neue Journalismus, von dem in diesem Dossier die Rede ist, braucht auch einen neuen Leser. Ohne Mediennutzer der Zukunft wird es keinen Journalismus der Zukunft geben, so einfach ist das. 

Wenn wir den neuen Journalismus als einen auf nachhaltige Wirkung und Leserbindung orientierten, diskursiven, möglicherweise gar von Anzeigenzwängen befreiten Journalismus definieren - dann muss ihm von der anderen Seite ein aufmerksamer, bewusster, zugeneigter Mediennutzer* entgegenkommen.

Jemand, der bereit ist, mediale Qualität wertzuschätzen und seinen Beitrag dafür zu leisten, sei es mit Aufmerksamkeit, mit Empfehlungen - oder, ja, auch mit Geld. 

In einem Boot

Produktion und Rezeption von Medien werden in Zukunft nicht mehr trennbar sein. Nicht nur, weil die digitalen Technologien diese Trennung aufweichen. Nicht nur, weil mit Web 2.0 und Wikipedia der Prosument die Medienlandschaft prägt oder weil jeder ein Publisher sein kann.

Sondern weil beide Seiten - Produzenten und Nutzer von Medien - gemeinsam Verantwortung für die Medienlandschaft von morgen tragen. Weil auch hier Angebot und Nachfrage regieren. Es steht nichts Geringeres auf dem Spiel als die Zukunft des Journalismus. Wird es uns gelingen, den Journalismus in die neue Welt zu übersetzen? Wie lässt sich mediale Qualität in einem algorithmengetriebenen Gewerbe retten? Wie wird sich der Printjournalismus der digitalen Ära von dem der vordigitalen Ära unterscheiden? Können wir eine medienübergreifende Kategorie des Journalismus denken?

Der Journalismus der Zukunft braucht den Leser der Zukunft. Dieser ist ein Beiträger, ein Nachdenker, ein Mitmacher. Er sucht die Qualität bewusst auf. Er hört zu. Er ist involviert, er trägt bei. Er ist neugierig, er lässt sich inspirieren und überraschen. Er kommt wieder. Er ist bereit, Aufmerksamkeit zu investieren. Er ist treu und bindungsfähig.

<< < 1 2 3 > >>