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Der rote Faden moderner Organisation

Viele kreative Querdenker zeigen uns, dass Unternehmen mit offenen und agilen Organisationsformen erfolgreich sein können. Jan Klage fasst zusammen, was innovative Unternehmensführung ausmacht.

Wir begreifen und betrachten Unternehmen und Arbeit heute noch immer durch die gleiche Brille, die wir schon im postindustriellen Zeitalter aufhatten. Wir denken und handeln in Aufbau- und Ablauforganisationen, Hierarchiegefügen und Leitbildern. Wir akzeptieren, dass es eine Führungskraft gibt, die wiederum einer Führungskraft untersteht und so weiter. Wir führen Mitarbeitergespräche und leisten unsere Beiträge in Feedbackgesprächen an Führungskräfte. Weil sich all das in der Vergangenheit als produktiv erwiesen hat. Und weil Veränderung einfach ein dickes Brett ist, das es erst einmal zu bohren gilt.

Aber auch wenn es sich in einer digitalen Welt neu und ungewohnt anfühlt, sich alternative Formen des Organisierens und Denkens vorzustellen, so wirkt die neue Welt, die sich da abzeichnet, auch angenehm und zutiefst menschlich, denn sie schafft Rahmenbedingungen, in denen sich Offenheit, Kreativität, Risikobewusstsein und Leidenschaft entfalten können. Mehr noch: Neue Formen kollektiver Wertschöpfung scheinen auf klassische Organisationsformen und Hierarchieverständnisse zu pfeifen. Sie sind offen, agil und beweglich. Und sie sorgen dafür, dass unser Wirken auch noch höheren Zielen dienen kann als nur der Gewinnmaximierung.

Viele mutige Macher und Querdenker leben uns vor, dass diese Organisationsformen zum Erfolg führen: Vom sozialen Unternehmertum („Dialog im Dunkeln“, Ben & Jerry’s), der Förderung einer neuen Kultur des Teilens (essbare Stadt, Car2Go), bis hin zu Geschäftsmodellen, die auf Partizipation und Transparenz (Gore, W:O:A, Schindlerhof, Powder Mountain) oder Erneuerung setzen (Papst Franziskus, Jogi Löw, Generation Y) reicht dabei der bunte Strauß der Beispiele. Wenn es einen roten Faden gibt, der all diese Ansätze verbindet, dann lässt er sich vielleicht in diesen Leitsätzen umschreiben:

Wollen. Können. Dürfen.

Unbändige Motivation, umfassende Fähigkeiten und jede Menge Freiräume sind Zutaten mutiger Geschäftsmodelle, die erfolgreich mit bestehenden Mustern gebrochen haben:

Dabeisein ist alles!

Unternehmen bestehen aus Menschen. Und die wünschen sich genau den Beteiligungsgrad, den sie aus den sozialen Medien kennen, auch am eigenen Arbeitsplatz. Wer sich also wünscht, dass Entscheidungen mitgetragen werden, sollte alle Beteiligten rechtzeitig und regelmäßig mit einbinden.

Garagen statt Parkhäuser!

Garagen sind kleine, übersichtliche und bewegliche Schutzzonen. Vielleicht gibt es deswegen den Mythos von der Garage, in der alle großen Unternehmen angefangen haben sollen. Aber auch ohne Gründungsvorhaben hat die Organisationsform der Garage klare Vorteile gegenüber der des Parkhauses: Zu große Unternehmensteile werden einfach schnell bürokratischer und damit auch unflexibler. Besser ist die Aufspaltung großer Teile in kleinere möglichst autonome Einheiten. In Garagen gibt es kurze Wege, bewegliche Strukturen und – ganz wichtig – keine Türen. Hier lässt es sich arbeiten und vor allem auch schnell auf Veränderungen und neue Perspektiven reagieren. Das lädt ein und motiviert!

Positive Verstärkung!

Anerkennung und die Wertschätzung anderer zählen zu unseren Grundbedürfnissen. Wir fühlen uns nicht nur im privaten Bereich zufriedener, sondern auch im Job, wenn wir von den Menschen in unserer Umgebung gesehen und respektiert werden.

Corporate Creativity!

Analytisches Denken reicht heute nicht mehr aus. Erfolgreiches Management in einer immer komplexer werdenden Welt, die kaum noch Grenzen kennt, lebt von Offenheit und Vielfalt, aber auch von Grenzüberschreitungen. Von Ideen und Impulsen aus allen Bereichen unseres Lebens. Dem Neuzusammenfügen von Bestehendem, längst Bekanntem oder achtlos Liegengelassenem. Nehmen und verknüpfen, was da ist. Die besten Ideen entstehen noch durch eine phantasievolle Nutzung dessen, was zur Hand ist. Wohl dem, der so arbeiten darf!

Flache Hierarchien für frisches Denken!

Hierarchische Strukturen neigen dazu, althergebrachte Denkweisen fortzuschreiben, auch wenn das nicht die passende Antwort auf Veränderung ist. Vor allem aber fühlen sich Mitarbeiter der gemeinsamen Sache um so stärker verpflichtet, je flacher die Hierarchien sind.

Querdenker ermutigen!

Querdenker sind unverzichtbar. Denn es sind die Unangepassten, die Typen mit ausgeprägten Stärken und Schwächen, die Gruppen dynamisieren, neue Ideen wagen und ganze Organisationen voranbringen können. Sie geben der soliden Arbeit guter Teams oftmals den entscheidenden Kick. Wer Querdenker ermutigt, wird belohnt. Allzu viel Homogenität, allzu viel Gruppendenken schadet auf Dauer nur. Innovationsprozesse unterliegen einem komplizierten Wechselspiel zwischen Genauigkeit und Irrtum, zwischen Information und Störung. Und wirklich gute Ideen treten nun mal eher in Umgebungen auf, die einen gewissen Anteil von Störfaktoren und Irrtum aufweisen.


Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Auszug aus Jan Klages Buch „I did it my way! – Geschichten von mutigen Machern, Querdenkern und Revolutionären“.

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