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Vertane Chancen

Springers Führungsebene entzieht sich der gesellschafts- und medienpolitischen Verantwortung, die der auflagenstärkster Verlag in Deutschland hat.

Der Verkauf mehrerer Zeitungen und Zeitschriften von Springer an die Funke-Mediengruppe bedeutet das Ende des Springer-Verlags, wie wir ihn seit Jahrzehnten kennen. An dessen Stelle tritt ein Mischkonzern, der seinen Profit in Zukunft mit ein bisschen Nachrichtenjournalismus im Netz und viel Internetkommerz machen wird. Und mit der „BILD-Zeitung“, die immer noch Springers größte Melkkuh ist. Dass sich Springer als Käufer seiner Blätter ausgerechnet die Funke-Mediengruppe ausgesucht hat, zeugt von Verantwortungslosigkeit gegenüber den vielen Journalisten, die bei den Titeln arbeiten.

Die Funke-Mediengruppe ist ein Verlag, der durch Managementfehler und falscher Verlagspolitik eine regionale Medienlandschaft fast demontierte. Er soll jetzt Traditionsmedien wie das „Hamburger Abendblatt“, die „Berliner Morgenpost“ und „Hörzu“ auf Erfolgskurs halten? Da sind Zweifel angebracht.

Radikaler Strategiewechsel

Schon fast vergessen: Ende September 2011 berichtete das „managermagazin online“ von einem Schreiben, das Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner am 28. September 2011 unter anderem an die Mitglieder der Familie Funke richtete. Darin teilte Döpfner „in freundlich-optimistischem Ton“ mit, dass „seiner Meinung nach Zeitungen und Zeitschriften auch langfristig … eine attraktive Zukunft haben, und dass von unserer Seite nach wie vor ein erhebliches Interesse an einem Erwerb der WAZ-Beteiligungen in Österreich an ‚Krone‘ und ‚Kurier‘ bestehe. Auch das Zeitschriftengeschäft der WAZ sowie einige Regionalzeitungen und Anzeigenblätter, setzte er fort, möchte Springer übernehmen.“

Und jetzt, noch nicht mal zwei Jahre später der radikale Strategiewechsel. Ausverkauf statt Expansion. Springer als auflagenstärkster Verlag in Deutschland hat insbesondere und vorbildlich gesellschafts- und medienpolitische Verantwortung. Dieser Verantwortung entzieht sich die Führungsebene, indem sie den renommierten Verlag zum Mischkonzern umfrisiert. Die Axel Springer AG hatte die Chance, Journalismus und digitale Welt eng zu vernetzen, eine Vorreiterrolle zu praktizieren. Diese Chance hat sie vertan.

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