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Spekulieren mit Scoops

Ein Blogger schlägt der „New York Times“ ein riskantes Modell vor, die Knight News Challenge geht in die nächste Runde und Medienallrounder Daniel Fiene auf Reisen. Das und weitere Lektüretipps aus Seattle.

Can an Algorithm Write a Better News Story Than a Human Reporter?

Machen schreibende Roboter Journalisten ihre Jobs streitig, oder bereichern sie den Journalismus? Die Zeitsschrift „Wired“ porträtiert Narrative Science, den marktführenden Anbieter journalistischer Algorithmen. Dessen Co-Gründer Kristian Hammond behauptet, in spätestens fünf Jahren werde einer seiner Computer für einen maschinengenerierten Text den Pulitzerpreis gewinnen.

Weitere aktuelle und interessante Texte zu diesem Thema:

Can the Computers at Narrative Science Replace Paid Writers? („The Atlantic“, James Fallows)
Robot Journalism Still Doesn’t Sound So Scary („The Atlantic“, Rebecca Greenfield)
Are robots and content farms the future of the news? („GigaOm“, Matthew Ingram)
Maschine fordert Mensch heraus („Netzwertig“, Martin Weigert)

Themes, surprises and outliers from 1000+ #newschallenge apps on Networks

Die aktuelle Knight News Challenge – der wichtigste und gut dotierte amerikanische Journalismus-Innovationswettbewerb (der auch ausländischen Bewerbern offensteht) – geht in die nächste Runde. Aus über 1000 eingereichten Vorschlägen hat die Jury 52 Angebote für die Endrunde ausgewählt. Die Ausschreibung war diesmal spezifisch darauaf ausgelegt, nicht das 300. hyperlokale Blog oder die 200. Sport-App mit einer Ansschubfinanzierung zu belohnen, sondern neue Netzwerke zu fördern, die mehr aus bestehenden Angeboten machen (Stichwort: Kuratieren, Datenjournalismus, Crowdsourcing). Ryan Jacoby war in der Nominierungskommission und beschreibt die Trends der Vorschläge (siehe Link in der Überschrift). Direkte Links zu allen nominierten Angeboten gibt es bei „Mediashift.

Rosen’s Trust Puzzler: What Explains Falling Confidence in the Press?

Der New Yorker Medienprofessor Jay Rosen wirft in seinem Blog „Pressthink“ die Frage auf, welches Modell am besten erkärt, warum die (amerikanischen) Bürger das Vertrauen in etablierte Medien weitgehend verloren haben. Die meisten Thesen (zum Beispiel alle Institutionen leiden unter Vertrauensverlust) verwirft er gleich selbst wieder, um bei seiner seit Jahren verfochtenen Lieblingsthese hängen zu bleiben: Das amerikanische Dogma strikter Presseneutralität („he said – she said journalism“) sei einfach nicht mehr glaubhaft und zeitgemäß. Das Beste an diesem Beitrag sind die unfassbaren vielen und guten Kommentare. An der anregenden Diskussion hat sich praktisch jeder beteiligt, der in der amerikanischen Medienvordenkerszene Rang und Namen hat.

Could the „NYT“ make money from its scoops?

Ein etwas bizarr anmutender Beitrag zur Paid-Content-Debatte, der aber unter anglo-amerikanischen Medienvordenkern durchaus diskutiert wird: Reuters-Blogger Felix Salmon regt an, die „New York Times“ könne mit ihren Scoops Geld verdienen, wenn sie die exklusiven Rechercherergebnissen zunächst Wall-Street-Investoren zur Verfügung stellen würde (siehe Überschriftenlink). Aktueller Anlass: Die „NYT“ deckte einen Bestechungsskandal in Mexiko auf, in den Walmart verwickelt war. Salmons Idee birgt allerdings nicht nur den Keim möglichen illegalen Insiderhandels. Sie könne auch dem Image der „New York Times“ als „Newspaper of Record“ schaden, argumentiert Matthew Ingram bei „GigaOm“. Unter seinem Blogbetrag hat er per Storify eine interessante Twitter-Diskussion zu diesem Thema eingebettet.

Daniel @fiene goes TV oder: Ausflug in die mediale Zukunft

Die Journalistin und Radioexpertin Inge Seibel porträtiert auf ihrem privaten Blog den „Was mit Medien“-Podcaster Daniel Fiene, der ab Mai Teil von Richard Gutjahrs „Rundshow“-TV-Experiment sein wird: „Daniel Fiene, der ‚Radiotyp aus Düsseldorf‘ (O-Ton Daniel), fährt mit noch vielen offenen Fragen nach München: ‚Muss ich einen übergroßen Digital-Bildungsauftrag in meinen Koffer packen? Oder reicht es, ein gutes Beispiel zu sein? […] Wer kennt einen Radiojournalisten, der so selbstverständlich zwischen den Mediengattungen und den öffentlich-rechtlichen und privaten Radioanstalten hin und her wandert wie Daniel?“ Was Daniel Fiene selbst zu seinem Engagement für Gutjahrs Projekt sagt, steht in dessen privatem Blog „my webwork„.

Für die „Rundshow“, die vom 14. Mai bis 7. Juni wöchentlich montags bis donnerstags im Bayerischen Fernsehen zu sehen und im Netz zu finden ist, hat der Erfinder und Moderator Richard Gutjahr ein eigenes Projektblog aufgesetzt.


Ulrike Langers „Linktipps“ erscheinen auch auf ihrem Blog „Medial Digital“.

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