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Selten so gelacht

In Foren loben Frauen konservative Werte und schreiben Männer vom gesellschaftlichen Übel Emanzipation, selbst die Familienministerin tadelt den Feminismus. Der Antifeminismus ist salonfähig geworden.

Vor kurzem hatte ich Ärger mit dem Autor eines Buchs. Das nimmt den Feminismus auf überraschend aggressive Weise ins Visier – meiner Meinung nach, was ich mittlerweile immer dazu sage, denn nicht nur ich kann ein Lied davon singen, dass auf diesem Gebiet manch einer schnell bei der Hand ist mit der Androhung juristischer Konsequenzen.

Da nun auch noch die Familienministerin den Feminismus tadelt, muss man wohl oder eher übel feststellen: Der Antifeminismus findet nicht mehr nur in irgendwelchen medialen Nischen oder an den Rändern des öffentlichen Diskurses statt, sondern wird mittlerweile von großen Verlagen vertrieben und von prominenten Politikern vertreten. Er muss sich also lohnen, sei’s in Umsätzen, sei’s in Wählerstimmen. Oder, wie es so schön heißt: Der Antifeminismus ist salonfähig geworden.

Deshalb wollte ich wissen, was es damit auf sich hat. Und wer weiß das besser als das WWW?

Im Forum von „WGVDL“ (kurz für „Wieviel ‚Gleichberechtigung‘ verträgt das Land?“) herrscht die wohl größte und poetischste Freude über meine schlechte Erfahrung („Zappenduster im Klabusterwald mit Frau Schuster“), weshalb ich mich zunächst dort umgetan habe. Aus Begeisterung darüber, wie ergebnisoffen dessen Mitglieder diskutieren, ob „Muselmänner“ ein rassistischer Begriff sei oder nicht, bin ich umgehend wieder geflohen – und im „Feministischen Müllhaufen“ der Website gelandet.

Zwar ist der „Feministische Müllhaufen“ gar kein feministischer Müllhaufen, vielmehr wird dort, garniert mit einem Ausrufezeichen, behauptet, dass der Feminismus „auf den Müllhaufen der Geschichte“ gehöre. Aber egal, solche rhetorischen Unschärfen muss man eben aushalten können auf der Suche nach Sinn und Bedeutung von Antifeminismus.

Wie sein Name schon sagt, muss der Antifeminist erst einmal wissen, was der Feminismus ist, damit er auch weiß, wogegen er eigentlich protestiert. Da hilft „WGVDL“ selbstredend gerne weiter:

Der Feminismus verachtet das männliche, versucht aber Frauen männliche Eigenschaften anzuerziehen.

In der darauffolgenden Aufzählung wurde mir unter anderem erklärt, dass der Feminismus „sich allein als Maß aller Dinge“ betrachte und „den Menschen bis ins Detail ihr Leben“ vorschreiben wolle. Deshalb beschlich mich der Verdacht, dass man mich hier veräppeln wollte, und so habe ich zur Sicherheit ein weiteres Suchergebnis aufgerufen, nämlich antife.de. Mit demselben Resultat:

Feminismus und seine potenzierte Form, genannt gender mainstreaming, haben sich in den vergangenen Jahren zu einem gesellschaftlichen Übel entwickelt, das beseitigt werden muss, um ein gedeihliches Zusammenleben der Geschlechter wieder zu ermöglichen.

Was ich ebenfalls für einen schlechten Witz halte, jedoch sieht es bei der IGAF, der Schweizer Interessengemeinschaft Antifeminismus, nicht besser aus:

Feministinnen streben nicht gleiche Rechte und Pflichten für Männer und Frauen an, sondern eine Privilegierung der Frauen auf Kosten der Männer. Der Feminismus ist eine ungerechtfertigte Ideologie der Privilegienbeschaffung durch Männerhasserinnen.

Weshalb ich schließlich in der WikiMANNia gesucht und dort immerhin endlich eine Definition von „Antifeminismus“ gefunden habe:

Antifeminismus (auch Anti-Feminismus) bezeichnet eine gegen die feministische Ideologie gerichtete kritische Haltung. Eine internationale, stetig wachsende Initiative unzähliger Männer und Frauen bekämpft als Antifeministen die zur Massenausbeutung in sozialen, wirtschaftlichen, politischen, medialen und juristischen Bereichen installierte (nicht gewählte) „feministische“ Scheinideologie.

Allein der Umfang dieses Wikis bedeutet mir, dass hier unzählige Männer und Frauen mit Herzblut bei der Sache sind. Was prinzipiell sehr lobenswert wäre – wenn das Lexikon seinem objektiv nüchternen Gestus nicht andauernd selbst widerspräche, indem es etwa über Alice Schwarzer Sätze zum Besten gibt wie: „1996 bekam sie vom deutschen Staat das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, auch wenn man sich zu Recht fragen darf, warum und wofür.“

Weiß das sogenannte schwache Geschlecht es womöglich besser? Gibt es überhaupt antifeministische Frauen im World Wide Web? In der „WGVDL“-Blogroll findet sich jedenfalls das „Frauenhaus – Von Frauen. Für Frauen“. Die wollen aber offenbar als Anti-Anti-Feministen verstanden werden. Beziehungsweise:

Eigentlich sind wir eher Feministen, denn wir setzen uns für das Recht der Frauen ein, das zu tun was Frauen am besten und am liebsten machen: Kochen, Haus putzen, sich um Kinder kümmern, den Mann verwöhnen.

Wer dem „Frauenhaus“ nun vorwerfen wollte, es sei konservativ, der geht mit dieser Einschätzung sowas von fehl:

Wir sind nicht konservativ eingestellt und wir befürworten weder Burkas, noch Bartzwang. Im Gegenteil, je rasierter die Frauen und je weniger sie anhaben, desto besser.

Und hier bricht mein Versuch, antifeministische Medien ernstzunehmen, leider ab, zumindest für heute: Ich habe mich schlicht und einfach kaputt gelacht. Meine special thanks gehen an das World Wide Web für den glänzend unterhaltsamen Abend und an startpage für jene Suchergebnisse, die mir bewiesen haben, dass es im Netz durchaus ein paar komplexere Publikationen über den Antifeminismus gibt, nämlich zum Beispiel diese und diese.

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