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Schwule Tagträume bei den Simpsons

Bei den Simpsons gibt es viele Figuren mit recht flexiblen sexuellen Orientierungen. Der Umgang der Serien-Macher mit dem Thema Homosexualität taugt zum Vorbild.

„Studie: 92 Prozent aller Demokraten sind schwul“

Die Simpsons laufen in den USA über die Senderkette Fox und spielen in der Serie häufig und meist negativ auf ihren konservativen Hauskanal an. Dies ist fast immer akzeptiert worden und der Inhaber von Fox, der Medienmogul Rupert Murdoch, ist sogar Gastsprecher bei den Simpsons. In der Folge „Krusty im Kongress“ (Folge 14/14) sehen die Simpsons im Fernsehen den Fox News Channel. In politisch einseitiger Form berichtet der Moderator über den Republikaner Krusty (mit Heiligenschein) und seinen demokratischen Gegenkandidaten (mit Teufelshörnern). Währenddessen laufen Meldungen über einen Live-Ticker durch den unteren Bildrand, wo unter anderem zu lesen ist: „Studie: 92 Prozent aller Demokraten sind schwul.“ Den Mut zu dieser Einblendung hatten die Simpsons-Produzenten nur deshalb, weil sie nicht ernsthaft mit einer Klage durch den eigenen Sender rechneten.

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Später gab Matt Groening jedoch bekannt, dass Fox mit einer Klage gedroht hatte und sie versprechen mussten, zukünftig keine Ticker-Meldungen mehr einzublenden. Diese Satire kritisiert die politische Instrumentalisierung von Medien und ist brisant, weil die konservative Senderkette Fox für ihre einseitige Unterstützung der Republikaner bekannt ist. Dass auf demselben Sender gleichzeitig eine eher links-liberale Serie wie die Simpsons läuft, die sich über diese einseitige Propaganda sogar lustig macht, ist bemerkenswert. Vielleicht liegt dies an dem kommerziellen Erfolg der Simpsons oder daran, dass neben dem politischen Teil eine gewisse Form von Narrenfreiheit im Unterhaltungsbereich zugelassen wird, um den Sender pluralistisch erscheinen zu lassen.

Zensur bei zwei schwulen Tagträumen

Der Angestellte Waylon Smithers ist schwul und in seinen Chef Mr. Burns verliebt. Bei zwei schwulen Tagträumen von Smithers über Burns wird im DVD-Kommentar ein Zensurversuch angedeutet. In einem Traum springt Burns zum Geburtstag von Smithers nackt aus einer Geburtstagstorte (Folge 5/4; 7/10). Im DVD-Kommentar heißt es dazu: „Das sollte zensiert werden. Wir sollten das nicht machen. Aber sie haben verloren.“

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In einer anderen Folge hat Smithers einen Tagtraum, bei dem Burns durch sein Schlafzimmerfenster fliegt (4/7; Wh. 6/3; 7/10). Der DVD-Kommentar deutet eine Zensur an, die sich auf die dritte Beule unter der Bettdecke von Smithers bezieht. „Diese Beule (neben zwei Beulen durch die Füße) kann von seinem rechten Knie oder durch eine Erektion stammen. Wir haben lange diskutiert, wann wir schneiden. Ja, und wo die Beule in der Decke sein soll. – Und dieser Traum hier wurde zensiert.“ Bei dem Interesse der Produzenten an doppeldeutigen homoerotischen Szenen ist es leicht nachvollziehbar, dass die Vorstellung einer Erektion beim Fernsehzuschauer beabsichtigt war.

Film-Referenz an Brokeback Mountain

Bart Simpson und Nelson Muntz werden für eine Woche beste Freunde – so auch der Titel dieser Folge. Am Ende der Folge trauert Bart dieser Zeit hinterher. Im seinem Spind hängt ein Foto von Nelson, und er liebkost die ihm von diesem geschenkte Weste. Auf der Straße fährt Nelson vorbei und schreit: „Ha, ha, ich habe Dein Herz berührt.“ Dieses Ende einer kurzen, aber intensiven Freundschaft ist inspiriert von dem Kinofilm Brokeback Mountain, was auch durch den kurz eingespielten Soundtrack deutlich wird (Folge 18/8). Mit erwachsenen schwulen Simpsons-Figuren hatte diese Referenz jedoch deutlicher und authentischer umgesetzt werden können.

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Folgende Herren sind schwul

Bei den Simpsons läuft der Fernseher und der Nachrichtensprecher Kent Brockman verkündet: „Folgende Herren sind schwul.“ Dabei wird eine Liste mit 18 Namen eingeblendet, die so schnell über den Bildschirm läuft, dass man sie nur in Zeitlupe lesen kann. Bei den Namen, die hier im Bruchteil einer Sekunde eingeblendet werden, handelt es sich um einen großen Teil des Simpsons-Produktionsstabes mit der Nennung von Matt Groening an erster Stelle (Folge 6/14). Diese Szene ist ein eindrucksvolles Beispiel für selbstironischen schwulen Humor. Viele Zuschauer haben diese Ironie jedoch nicht verstanden und hielten die hier genannten Personen tatsächlich für schwul.

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Durch den DVD-Kommentar ist ersichtlich, dass die Produzenten darüber erkennbar amüsiert sind, was eine selbstsichere und positive Haltung zur Homosexualität verdeutlicht. Ein Autor legt ironisch sogar noch nach: „Falls es jemals Zweifel gab: Alle Autoren bei The Simpsons sind schwul […] Wer als Autor zu uns kommt und nicht schwul ist, geht als Schwuler. Das gehört einfach dazu. Alle Angestellten, die sich an diesem Scherz beteiligten, mussten übrigens schriftlich erklären, dass sie von einer möglichen Klage absehen.“ Bei den Simpsons werden übrigens viele Prominente als schwul bzw. lesbisch bezeichnet, aber gegen seinen Willen wurde bisher noch niemand geoutet. 


 

Dieser Text ist ein Auszug aus:

Erwin In het Panhuis,

„Hinter den schwulen Lachern – Homosexualität bei den Simpsons“

© 2013 Archiv der Jugendkulturen Verlag 

1. Auflage Juni 2013

205 Seiten

ISBN: 978-3-943774-24-5

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