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Periscope-Experiment: Im Alleingang unter Jecken

Die Rheinische Post hat den Rosensonntagszug für ein Experiment genutzt: Mit GoPro und Mikro stürzte sich eine Redakteurin ins Geschehen, um in bestmöglicher Qualität mobil zu berichten.

Als Merle Sievers am Sonntag zum ersten Mal auf Sendung geht, steht sie an Deck eines Schiffs. Gemeinsam mit der Karnevalsgesellschaft Ponyhof schippert sie von Köln den Rhein hinauf. In den nächsten Stunden will die Redakteurin in kurzen Episoden den Weg der Jecken zum Karnevalsumzug in Düsseldorf begleiten: live im Video. Die Streams sind auf Periscope via Twitter sowie auf RP Online zu sehen.

Nahbar und authentisch will sich die Düsseldorfer Tageszeitung ihrem digitalen Publikum mit der Aktion präsentieren – und modern: Während andere Redaktionen in mäßiger Handykamera-Qualität Live-Streams vor allem auf Facebook bestreiten, zieht Sievers mit bestmöglicher Ausstattung für die mobile Berichterstattung ins Karnevalschaos.

Die Redaktion hat sie mit einem iPhone 6 samt zwei Gigabyte Datenvolumen, einer GoPro Hero 4 Black, zwei Akkus, dem obligatorischen Selfiestick sowie einem Lavalier-Mikro ausgestattet. Damit ist die RP-Redakteurin flexibel genug, um flink über das Schiff zu huschen und sich später an Land ganz tief in die Menschenmenge zu drücken.

“Die Aktion war mit ziemlich heißer Nadel gestrickt”, berichtet Sievers. Sie bekommt keine Verstärkung, ihre KollegInnen sind rund um die Königsallee verstreut mit anderen Geschichten beschäftigt. Aber auch mit mehr Ressourcen hätte die Online-Redaktion sie ins Alleingang-Experiment geschickt: Das Team giert es nach einem Belastungstest für Technik und Mensch.

Am Ende sendet Sievers acht Episoden, unterwegs wird sie von Feiernden auf einen Balkon mit hervorragendem Blick auf den Rathausplatz geladen, es gelingen ihr eine unterhaltsame Berichterstattung und eindrückliche Bilder. “Ich hatte schon von anderen Karnevalseinsätzen Erfahrung mit Periscope und wusste, dass nie Stille sein darf und ich das Geschehen immer moderieren muss”, sagt Sievers. Ansonsten habe sie sich keine Gedanken über mögliche Interviewpartner gemacht.

Alles lief spontan. “Durch die Selfiestange hat man auch ein stabiles Bild, eine zweite Person vor Ort ist nicht notwendig. Ein direkter Embed-Code für die Streams wäre allerdings hilfreich gewesen.” So musste das Team immer den Umweg über Twitter gehen.

Der Klickerfolg der Aktion ist überschaubar: Bis zu 100 Live-Zuschauer verzeichnen die Streams, trotz Pushs von RP Online und Twitter. Innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Event kommen insgesamt fast 1000 Views auf Periscope zusammen. Das Team ist dennoch zufrieden: Das gerade mal fünfstündige Event verläuft ohne große Schwierigkeiten, bis auf einen kurzen Akku-Ausfall hat die GoPro einen guten Dienst geleistet. Periscope, das erst seit kurzem den Stream per GoPro unterstützt, hat die Datenmengen problemlos verarbeitet.

Und ein Nutzer kommentiert: „Was für eine coole Redakteurin.“ Das hört man bei der Rheinischen Post auch nicht alle Tage.

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