Zum Inhalt springen

Öffentlichkeit für weibliche Vorbilder

Das Bild des rational und naturwissenschaftlich orientierten starken Mannes im Kontrast zur irrational und emotional handelnden weichen Frau ist weiterhin präsent. Wir brauchen jedoch mehr weibliche Vorbilder.

Die Nachahmung von Vorbildern ist eine der wichtigsten Lernmethoden in der Entwicklung eines Menschen. Sie ist schneller als die individuelle Entdeckung und sicherer als Versuch und Irrtum. Wer als Vorbild in Frage kommt, hängt zum einen davon ab, mit wem sich ein Mensch identifiziert aber natürlich auch vom Angebot potentieller Vorbilder selbst. In frühen Jahren kommen sie vor allem aus dem nahen Umfeld, meist Eltern, Bekannte und insbesondere Gleichaltrige. Später kommen Prominente wie Sportler/innen, Musiker/innen, Politiker/innen oder fiktive Helden/innen aus Büchern und Filmen hinzu.

Die Wahl eines Vorbildes erfolgt unter anderem entlang sozialer Kategorien, nicht zu letzt entlang des eigenen Geschlechts. Die hieraus abgeleitete sozialen Bezugsgruppe hat einen enormen Einfluss auf eigene Präferenzen und Entscheidung. Je heterogener sie ist, desto breiter sind Erfahrungsschatz und potentielle Möglichkeiten.

Doch gerade in Bezug auf die Kategorie Geschlecht bzw. Gender lässt sich zur Zeit eher ein Trend hinzu weniger Heterogenität erleben; ein Aufleben alter, als überwunden geglaubter Vorstellungen und Annahmen, begründet durch biologistische Erklärungsmodelle. Das Bild des rational und naturwissenschaftlich orientierten starken Mannes im Kontrast zur irrational und emotional handelnden weichen Frau ist weiterhin präsent. Problematisch ist dies unter anderem auch deswegen, weil mit ihr Annahmen über Kompetenz zum Beispiel in Bezug auf Technik und Naturwissenschaft einhergehen, die den Zugang zu diesen Bereichen für Frauen weiterhin erschweren.

Ausschluss wegen stereotyper Annahmen

Und dies wird zunehmend auch zu einem wirtschaftlichen Problem. Der Fachkräftemangel in IT, Naturwissenschaft und Ingenieursberufen lässt es auch aus wirtschaftlicher Sicht nicht Länger zu, dass viele Menschen einfach aufgrund stereotyper Annahmen ausgeschlossen werden. Seit einigen Jahren nun schon bemühen sich verschiedene Initiativen, wie der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen oder MINT Zukunft schaffen, um mehr Frauen in diesen Bereichen, leider mit bisher eher mäßigem Erfolg, zumindest gemessen an der Zahl der Studienanfängerinnen. Entscheiden sich 50 Prozent der Studienanfänger für ein MINT-Fach, sind es bei den Studienanfängerinnen nur 25 Prozent. Und die Zahlen sind seit dem Jahr 2000 etwa gleichbleibend.

Nicht, dass diese Initiativen nutzlos wären, das sind sie keinesfalls, aber sie reichen auch nicht aus. Es reicht eben nicht, Mädchen und Frauen plötzlich zu erzählen, dass Technik und Naturwissenschaften ja eigentlich doch was für sie sind, während sie zuvor von Gegenbeispielen umgeben waren und auch weiterhin sind. Und der lächerliche Versuch Mädchen z.B. durch gegendertes Technik-Spielzeug, das heißt rosa Technik-Spielzeug, zu überzeugen ist genau das: lächerlich und peinlich.

Neben entscheidenden strukturelle Änderungen in Organisationen und Institutionen, wie es zum Beispiel auch in einer CEWS Studie von 2013 (PDF) gefordert wird, braucht es einen gesellschaftlichen Wandel, der den enormen Einfluss von frühen Vorbildern und von vorgelebtem Rollenverhalten (Doing Gender) anerkennt. Die Einsicht, dass Frauen nicht nur aufgrund eines Aktionstages plötzlich voller Selbstbewusstsein in Bereiche vordringen, von denen ihnen vorher abgeraten wurde. Dass sie vielmehr schon frühzeitig sehen und erleben müssen, dass ihre Möglichkeiten breiter sind, als es Stereotype Rollenmodelle es erscheinen lassen. Mädchen und Frauen brauchen mehr und andere, das heißt weniger stereotype, Vorbilder.

Hinter Männlichen Kollegen verborGen

Und genau hier möchte ich mit meinem Projekt ansetzen. Denn diese Vorbilder gibt es. Das Problem ist nur, dass sie nicht weitverbreitet sind und schon gar nicht in jedem Umfeld. Und, dass sie häufig hinter ihren männlichen Kollegen verborgen bleiben.

Diesen weiblichen Vorbilder eine Öffentlichkeit zu geben und Mädchen und jungen Frauen eine größere Auswahl an potentiellen Vorbildern, das ist das Ziel meiner Webserie roleUP! – lvl up your role models. roleUP! soll eine Porträtserie werden, in der in jeder Folge ein Role Model, also ein Vorbild, begleitet wird. Dabei möchte ich mich aber nicht auf Frauen aus IT und Technik beschränken, denn auch in anderen Bereichen wie Sport, Unternehmerinnentum, Kunst und Kultur fehlt es bisweilen stark an weiblichen Vorbilder. Um die Zugangshürden möglichst gering zu halten, soll diese Porträtserie frei im Netz zugänglich sein.

Die Produktion der ersten Folge dieser Serie, der Pilotfolge, möchte ich mit Hilfe der Crowd finanzieren.  Ein entsprechendes Projekt läuft noch bis Ende Februar auf startnext.de bzw. dem lokalen norddeutschen Ableger nordstarter.org. Wenn euch das Projekt gefällt, dann unterstützt mich und helft mit bei der Finanzierung!


VOCER hat nicht nur selbst ein alternatives Finanzierungsmodell, sondern schreibt auch über andere Projekte, die unkonventionelle Wege gehen. Jeden Monat stellen wir ein Crowdfunding-Projekt von der Plattform Startnext vor, das wir für fördernswert halten.

Im Januar: roleUP! – der Pilot: eine Porträtserie über weibliche Role Models von Susanne Harnisch

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Kommentare

  1. […] Susanne stellt bei vocer ihr Projekt roleUP! – lvl up your role models vor und erklärt dazu einleitend, warum Vorbilder überhaupt wichtig sind. (Das Projekt hat sie hier […]

Nach oben