Zum Inhalt springen

Mut und Schönheit

Welche journalistischen Projekte werden 2014 richtig erfolgreich? Oskar Piegsa schreibt eine lange Liste.

Wir haben VOCER-Autoren und -Freunde nach ihrer Vision für das Jahr 2014 gefragt. Ihre Ideen veröffentlichen wir in Serie bis zum Jahreswechsel. Heute antwortet uns Oskar Piegsa, Fellow des VOCER Innovation Medialab.


VOCER: Was kann/soll die Medienbranche im Jahr 2014 verändern?

Oskar Piegsa: Mut und Schönheit.

Was zeichnet den digitalen Journalisten im Jahr 2014 aus?

Ich glaube nicht, dass es „den“ digitalen Journalisten gibt. Aber ich wünsche allen Journalisten (und besonders jenen, die mit digitalen Mitteln arbeiten!) dass es ihnen ihre Arbeitsbedingungen erlauben, zu spielen.

Welche Nachrichten wollen Sie 2014 nicht mehr lesen?

„Schreiben wird an Bedeutung verlieren“ (Meedia.de). Das hat angeblich Paul-Bernhard Kallen gesagt, der Vorstandschef des Burda-Verlags. Es heißt, er habe dabei noch en passant Politikjournalisten als Dinosaurier verspottet.

Hm, komisch, denn: Der Scoop des Jahres 2013, die wichtigste, emotionalste und schönste Geschichte war der Snowden-Leak. Doch wüssten wir damit etwas anzufangen, wenn sich nicht Leute mit Ahnung von Politik, mit der Sorgfalt von ausgebildeten Journalisten und mit der Sicherheit einer Festanstellung durch die Aktenberge gefressen hätten?

Und sind Analysen, Essays und Reportagen bald wirklich bedeutungslos? Selbst Buzzfeed hat angefangen, Reporter einzustellen und veröffentlicht neben seinen lustigen Listen und überraschenden Fundstücken nun auch lange, gut geschriebene Texte.

Leute, die kurz vor 2014 noch das „Kuratieren“ gegen das Recherchieren ausspielen, „Content“ geiler finden als Journalismus und das Handwerk verhöhnen verdienen, mit Verlaub, ein herzliches LOL.

Welches journalistische Projekt wird 2014 richtig erfolgreich?

032c, Arts & Letters Daily, The Atavist, The Baffler, Buzzfeed, Byte.FM, De:Bug, Deutschlandfunk, The Economist, Edition Suhrkamp, Electronic Beats, Esquire, FM4, Foreign Policy, Frontline, Giddyheft, Hyperallergic, Kulturaustausch, KulturSpiegel, Merkur, Metrolit, Missy Magazine, n+1, Neon, Perlentaucher, ProPublica, The Public Domain Review, The New Republic, The New Yorker, The New York Review of Books, The New York Times, Reportagen.FM, Reporter-Forum, Reporter ohne Grenzen, Swallow Magazine, SZ Magazin, UbuWeb, Vice, WikiLeaks, Wired, ZEITmagazin …

Was erwartet uns von Ihnen im kommenden Jahr?

Im Februar geht „Die Dinge Europas“ online. Der Fotograf Claudius Schulze und ich sind für dieses Projekt VOCER Innovation Medialaboranten geworden. Wir wollen Europa so erzählen, wie es ist: kleinteilig, vielseitig, widersprüchlich & permanent beta. Könnte gut werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Nach oben