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Luminoise: Audio-Slideshows per App

Audio-Slideshows waren vor ein paar Jahren das dicke Ding. Aleesa Savtchenko und Johannes Scherzer wollen ihnen zu einem Revival verhelfen – mit einer App.

Müssen Storytelling-Innovationen für den Journalismus von Journalismus erdacht werden? Aleesa Savtchenko und Johannes Scherzer beweisen das Gegenteil: Savtchenko hat freie Kunst studiert, ihr Partner Scherzer ist Tonmeister. Mit der App Luminoise haben sie eines der aktuell spannendsten Storytelling-Tools geschaffen.

Mit der App lassen sich gleichzeitig Fotos schießen und eine Tonspur aufnehmen. Das Endergebnis, das das Duo aus Berlin schlicht Lumi nennt, lässt sich anschließend in der App teilen und auf Seiten einbetten. Für Savtchenko sind Audio-Slide-Shows der optimale Weg, um in der Bilderflut des Netzes die Langeweile zu durchbrechen. „Man nimmt die Geschwindigkeit aus der Betrachtung von Bildern heraus und schafft dadurch Zeit für seine eigenen Gedanken“, sagt Savtchenko.

Mehr Freiheit bei der Gestaltung

Solche Slideshows zu produzieren, ist bisher sehr aufwendig, für gute Beiträge braucht man ein Schnitt- und ein Tonprogramm zur Bearbeitung. „Als wir mal wieder einen Fotofilm machen wollten, haben wir uns umgeschaut, ob es irgendwelche Tools gibt, die das Zusammensetzen von Bild und Ton vereinfachen. Aber wir fanden keine“, erzählt Savtchenko. Mit Luminoise haben sie nun eine App geschaffen, mit der man in Echtzeit Ton und Bild aufnehmen und anschließend leicht bearbeiten kann. So kann spontaner, freier und innovativer gearbeitet werden.

Die Beispielfotofilme auf der Luminoise-Homepage wirken schon sehr professionell. Savtchenko gibt zu, dass sie „bei den Beispielen im Nachhinein ein bisschen getrickst haben. Man hätte sie so mit der App nicht hinbekommen, aber uns war es wichtig, ein paar Beispiele zu zeigen, die wirklich cool sind.“ Die Beta-Version ist bisher ein sehr schlichtes Format. Es kann nur eine einzelne Tonspur aufgenommen werden. „Wir wollen aber auch später mehr Freiheit bei der Audiogestaltung zulassen, so, dass man wirklich schneiden kann.“

Filter, mehrere Tonspuren, eine Importfunktion für externes Material, eine Kommentarfunktion – all das sind Funktionen, die das Kreativenpaar in Zukunft realisieren wollen. Auch soll es mehr Funktionen für Journalisten geben – unter anderem wollen sie es Reportern möglich machen, Bauchbinden für Interviewpartner in Lumis einzubauen.

Beta ist da, Förderung läuft aus

Seit Mai diesen Jahres steht eine Beta-Version für das iOS-System auf der Homepage zum Download zur Verfügung. Johannes und Aleesa geben die App kostenlos heraus, damit die Probanden fleißig testen und herumprobieren können. Künftig soll es die App in zwei Varianten geben. Die Basisversion soll weiterhin kostenlos bleiben und entsprechend der aktuellen Beta-Version eher schlicht daher kommen.

luminoise-testimonial

Die Vollversion soll vermutlich zwischen fünf und zehn Euro im Monatsabo kosten. „Bei den Abomodellen gibt es dann noch mehr zusätzliche Features und mehr Speicherplatz, etwa für mehrminütige Essays“, erklärt Savtchenko. Wann es mit der Entwicklung der vollendeten Version weiter gehen kann, ist abhängig von der Förderung des Projektes. Die Förderung durch das Medieninnovationszentrum Babelsberg läuft gerade aus.

 

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Kommentare

  1. Toll toll toll, dass nochmal jemand versucht, dieser unterschätzten Form „Audio-Slide-Show“ neues Leben einzuhauchen!

    Auch ich bin der festen Überzeugung, dass das Hören und Erzählen zu ruhigen eindrücklichen Standbildern eine Kraft entfaltet, die man viel häufiger nutzen sollte.
    In meinem Blog habe ich schon sehr oft darüber geschrieben:
    http://www.radio-machen.de/2012/04/02/was-guckst-du-radio/
    http://www.radio-machen.de/2014/11/19/das-koennen-nur-radiomacher-hinhoergucker/

    Dennoch habe ich auch Sorge:
    Denn so eine App auf dem Smartphone als explizit mobiles Tool verleitet halt auch zum schnellen mobilen Gebrauch mit „Quick and dirty“-Tönen und Bildern.

    Doch genau das verträgt die Audio-Slide-Show nicht! Im Gegenteil: Sie verzeiht in ihrer Ruhe und Tiefe viel weniger als jedes Video. Finde ich.

    Im Video kann Gewackel, Unschärfe, „schlechte“ Motivwahl authentisch und irgendwie „nah dran“ wirken. Ein verwackeltes, unscharfes Standbild wirkt dagegen einfach unprofessionell. Ich persönlich halte zum Beispiel schon das eingebundene Beispiel mit zum Teil wenig schmeichelhaften Schnappschüssen von Christian Bollert für grenzwertig.

    Vielleicht bin ich da zu kritisch. Doch ich bin überzeugt: Eine Audio-Slide-Show ist in ihrer Grundidee eher eine minimalitische Komposition, die viel sagende Bildmomente mit ausdrucksstarken Tönen kombinieren muss.
    Und ob das mobil, schnell schnell zu machen ist….da habe ich größte Zweifel. Ich halte Audio-Slide-Shows eher dann für gelungen, wenn sie sorgfältig und mit Gespür für Rhythmus und Langsamkeit komponiert sind: http://www.radio-machen.de/2014/07/30/so-wirken-audio-slide-shows/

    Trotzdem: Vielleicht braucht es diese mobile App um endlich nochmal klarzumachen, dass Audio-Slide-Shows mobil ABGESPIELT der Hit sind. Denn auch das ist bislang total unterschätzt: Starke Standbilder wirken auf mobilen, kleinen Screens oft viel kraftvoller als Wackelvideos. Auch als Teil von Webdokus: http://www.radio-machen.de/2015/07/05/eine-webdoku-zum-hoeren/

    Eine „Wiedergeburt“ der Audio-Slide-Show und Weiterentwicklung ihrer Möglichkeiten wäre deshalb eine geniale Sache. Und meine Hoffnung, stirbt zuletzt. Danke, Luminoise!

    • Hi Sandra,

      die Methode und Ästhetik, die du magst, mögen wir auch (sehr). Aber auch noch mehr. Sicherlich gibt es einige, die es gewohnt sind Audio Slideshows auf eine ganz spezielle Art zu machen. Wir sind aber auch sehr neugierig, welche Erzählstrukturen speziell mit dem mobilen Tool entstehen können, denn wir glauben bei dem Erzählformat an eine große ästhetische Vielfalt.

      Die App hat gerade noch sehr rudimentäre Funktionen, auch die Kamera ist nicht tip-top zu Ende geschrieben … Daher Verzeihung für die Verwackelten Bilder. Später werden Funktionen speziell für professionelle Nutzer wie dich einfließen, und Bild und Ton werden editierbar sein.

      Wir wollten mit dieser ersten App-Testversion sehen, ob das Konzept allgemein funktioniert, Feedback aus dem Bekanntenkreis einsammeln: was kann man überhaupt mit dem Smartphone erreichen, und wo liegen die Grenzen des Tools? Wir haben noch nicht alle Antworten! Aber viele Ideen. Uns sind Ideen und Kritik sehr willkommen, und wir werden all das in die Entwicklung einfließen lassen.

      Deshalb danke für deinen kritischen Kommentar!

      Aleesa

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