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Jörg Armbruster: „Unverzichtbare Onlinerecherche“

Gerade für Auslandsberichterstatter sind Social Media und Blogs wichtig, um sich zu informieren, sagt Jörg Armbruster im VOCER-Interview.

Die meisten Journalisten sind sich einig: das Internet ist mit dem wachsenden gesellschaftlichen Einfluss durch Blogs, soziale Netzwerke wie Twitter und YouTube ein kaum wegzudenkender Aspekt in ihrem Arbeitsalltag. Auch die zunehmend ortsunabhängigen Nutzungsmöglichkeiten durch mobile Endgeräte wie Smartphones werden in diesem Zuge relevanter. Diese technischen Errungenschaften, die in Deutschland effizienteres Arbeiten und eine lässigere Freizeitgestaltung ermöglichen, können in der Region des Arabischen Frühlings wiederum überlebenswichtig sein – für Journalisten und Rebellen gleichermaßen. Wie wichtig, weiß Fernseh-Journalist Jörg Armbruster – ohne Internet und Satellitenverbindungen wäre seine Auslandberichterstattung erheblich komplizierter. VOCER hat mit dem ehemaligen ARD-Korrespondenten darüber gesprochen, welchen Einfluss die Onlinewelt auf seine journalistische Tätigkeit im Nahen und Mittleren Osten hat. 


VOCER: Herr Armbruster, wie häufig recherchieren Sie aus beruflichen Gründen online?

Jörg Armbruster: Jeden Tag.

Welche Rolle spielt das Internet bei Ihrer Arbeit im Ausland?

Ohne Internet, keine Emails.

Inwiefern nutzen Sie das Internet während eines beruflichen Auslandaufenthaltes zur Recherche?

Für mich ist das Internet inzwischen zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Recherche geworden. Es gibt Facebook-Informationen und ansonsten die üblichen Quellen wie Gespräche mit Parteien, Experten, Zeitungen. Seltener werden Informationen der Ministerien genutzt.

Jörg Armbruster (Bild: ARD)

Jörg Armbruster (Bild: ARD)

In welchem Maße greifen Sie und Ihre Kollegen für ihre Berichterstattung auf Informationen zurück, die Sie aus neuen Medien und sozialen Netzwerken beziehen?

Wir prüfen jeden Tag auf Relevanz. Wenn wir sie bekommen, diese Informationen versuchen wir sie zu verifizieren. Wenn dies nicht gelingt, dann benutzen wir sie auch nicht.

Woher beziehen Sie Ihre Informationen online?

Von Facebook und Twitter.

Diese sozialen Netzwerke habe bei der Entstehung der Arabischen Revolution eine Rolle gespielt. Finden Sie den Begriff „Facebook-Revolution“ als Bezeichnung für den Arabischen Frühling treffend?

Das ist ein falscher Begriff. Facebook war wichtig aber nicht entscheidend.

Welche Bedeutung hat das Internet mit den sozialen Netzwerken in Bezug auf die Arabische Revolution, vor allem wenn es zu Protesten kommt?

Für Aufrufe der Bevölkerung, zu Treffpunkten zu kommen, war es wichtig.

Welche Blogs lesen Sie und bloggen Sie sogar selbst?

Ich selber blogge nicht. Ich versuche aber möglichst viele Blogs arabischer Blogger zu lesen.

Beziehen Sie auch Informationen oder Bild-/Videomaterial direkt von der arabischen Bevölkerung?

In besonderen Situationen müssen wir Videomaterial der syrischen LCC („Local Coordination Committees“ oder lokale Koordinationskomitees in Syrien – Anm. d. Red.) benutzen. Aber so generell gibt es kein Videomaterial der arabischen Bevölkerung.

Wie beurteilen Sie die Rolle der arabischen Internetaktivisten in Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Arabischen Frühling? Nutzen sie auch Informationen syrischer Hacker?

Wie gesagt, die Syrienberichterstattung lebt stark von dem was die LCC über die täglichen Gräueltaten berichtet. Es gibt aber auch dabei immer wieder Schwierigkeiten der Verifikation. Das Hacken von Websites spielt hier allerdings keine große Rolle, vielleicht in Saudi Arabien.

Inwiefern sind das Internet oder Satellitenverbindungen hilfreich, wenn Journalisten in Gefechte verwickelt oder angegriffen werden, wie es Ihnen kürzlich passiert ist?

Sie sind wichtig, um die Kommunikation aufrechtzuerhalten und möglicherweise Hilfe zu holen.

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