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Innovation Day: Sieben Fragen an Susann Hoffmann

Mit EDITION F entsteht in Berlin derzeit eine Business-Lifestyle-Plattform für Frauen. Was das sein soll? Einen ersten Einblick gibt Co-Gründerin Susann Hoffmann im Fragebogen zum Innovation Day.

Welche journalistische Innovation hat Sie jüngst überrascht?
Ich finde den Trend zum Snippet-Journalismus gerade sehr überraschend. Provokante Headlines. Aber kein journalistischer Anspruch. Heftig.co treibt dieses Schema aktuell auf die Spitze. Alleine sind sie damit aber nicht. Buzzfeed, Elity Daily und Co. setzen journalistisch ja an einer ähnlichen Stelle an: Klicks vor Content. Aus Marketing-Perspektive machen sie also vieles richtig und der Entertainment-Aspekt ist nicht zu unterschätzen. Wenn sich der Snippet-Journalismus durchsetzen sollte, dann fände ich das allerdings nicht nur überraschend, sondern eher schockierend.

Susann Hoffmann wird beim VOCER Innovation Day über das Magazin EDITION F sprechen.

Susann Hoffmann wird beim VOCER Innovation Day über die Plattform EDITION F sprechen.

Was ist das Innovativste, das Sie selbst je gemacht haben?
Eindeutig EDITION F. Im Mai habe ich gemeinsam mit Nora EDITION F gegründet, eine Business-Lifestyle-Plattform für Frauen, die sich beruflich verwirklichen wollen. Wir wollen den medialen Stereotypen für Frauen – von Mode über Beauty und Partnerschaft bis hin zu Diät, Fitness und Co. – ein Gegengewicht geben. Denn wenn man sich die Wirtschafts- und Karrieretitel ansieht, dann richten die sich meistens eher an Männer. Obwohl Frauen eine immer größere Rolle in Unternehmen spielen. Gerade haben wir ein meinungs- und debattenstarkes Online-Magazin für Business und Business-Lifestyle-Themen und eine Community gelaunched. Im Sommer kommen dann eine Jobbörse und ein Marktplatz. Für uns stehen aber vor allem die Nutzer und ihre Bedürfnisse und Interessen im Zentrum. Deshalb finden die Angebote von Magazin bis Marktplatz integriert statt und nicht nebeneinander.

Welche Themen haben Sie während Ihrer Ausbildung vermisst?
Ich habe Theaterwissenschaft und Germanistik studiert. Die Freiheit, mich mit Themen zu beschäftigen, die mich interessieren und damit die Richtung für meinen beruflichen Weg selbst vorzugeben, war ideal für mich. Ich hab während des Studiums viel ausprobiert, viel gelernt und vor allem verstanden, dass eine Job-Entscheidung selten für die Ewigkeit ist. Dieses Ausprobieren in der „echten“ Berufswelt hat meine Uni allerdings nicht gefördert oder eingefordert. Das wäre aber aus meiner Sicht hilfreich: Denn im Grunde kann man mit so einem Studium alles und auch nichts machen.

Was muss im Journalismus zukünftig dringend passieren?
Meinungen und Debatten halte ich für essentiell. Starke Positionen spielen aktuell eine zu geringe Rolle – dabei sind streitbare Themen und Perspektiven etwas, dass uns als Gesellschaft wieder viel stärker involvieren würde, neue Ideen stiftet und die Auseinandersetzung fördern würde. Was man sieht ist aber eine immer kleiner werdende Unterscheidbarkeit der Medien. Eine andere Sache, die dringend passieren sollte ist, dass der Online-Journalismus noch digitaler wird und insbesondere Printmedien nicht einfach versuchen das alte Format eins zu eins zu übertragen. Online-Journalismus bietet einfach viel mehr Möglichkeiten – gerade auch wenn es eben um Debatten und Meinungen geht, ins Gespräch zu kommen – nicht nur auf der eigenen Seite, sondern eben auch auf Facebook, Twitter und Co. Hier integrierter zu denken, ist die Richtung, in die es gehen muss.

Welche Vorhersage über die Zukunft des Journalismus können Sie nicht mehr hören?
Paid Content. Schreckensszenarien vom Untergang des Journalismus, wenn wir die Paid-Content-Schranke nicht etablieren können, finde ich nicht notwendig. Monetarisierung spielt natürlich eine zentrale Rolle, um guten Journalismus möglich zu machen. Das Thema sollte aber nicht wie ein Damoklesschewrt über dem Journalismus hängen. Ich glaube allerdings nicht, dass es unbedingt ein klassisches Paid-Content-Model sein muss, um den zu ermöglichen.

Wen können sich junge Journalisten zum Vorbild nehmen?
Unternehmer und Marketingexperten. Viele Journalisten arbeiten frei, sind redaktions- und verlagsunabhängig. Sie stehen für bestimmte Themen und Meinungen, für Qualität und Glaubwürdigkeit. Für ihre eigene Art des Journalismus. Gerade jetzt, wo Contributoren-Modelle wie bei Medium oder der Huffington Post immer populärer werden, wird das Thema „Der Journalist als Marke“ immer wichtiger. Human Brands also. Das heißt eben auch, dass man sich um seine Marke kümmern muss, sie aufbauen, weiterentwickeln und etablieren. Und auch das eigene Netzwerk ist stark gefordert, um sich zu positionieren. Gerade für freie Journalisten ist also unternehmerisches Denken und Marketing zentral. Denn eine Marke entsteht selten über Nacht.

Nur noch Freiberufler, keine Festanstellungen mehr? Wie sehen die Beschäftigungsverhältnisse in Zukunft aus? Wie sollten sie aussehen?
Dass die Arbeitswelt immer flexibler wird, ist nicht neu. Ich glaube, wir arbeiten heute alle stärker ergebnis- als zeitorientiert. Zwölf Stunden im Büro bedeuten nicht unbedingt, dass jemand produktiver ist, als jemand der zu Hause arbeitet oder der sich die Arbeitszeit insgesamt anders einteilt. Was man sieht ist ja, dass Arbeitnehmer immer mehr Freiraum und Flexibilität einfordern: Umdenken müssen also vor allem Arbeitgeber. Ich selbst glaube trotzdem auch, dass das Teamgefühl entscheidend ist, um erfolgreich zu sein. Und das entsteht, wenn man im Kontakt ist – direkt und persönlich, wie eben auch digital. Wir sitzen mit dem EDITION F-Team in einem Büro. Aber nicht jeder an jedem Tag oder von morgens bis abends. Da muss man sich absprechen – manchmal ist es einfach sinnvoll woanders zu arbeiten. Oder eben auch mal zum Sport zu gehen.


Susann Hoffmann wird beim VOCER Innovation Day gemeinsam mit ihrer Kollegin Nora-Vanessa Wohlert beim Panel „Pionieren zuhören“ über die von ihnen gegründete Business-Lifestyle-Plattform EDITION F sprechen. Weitere Infos zu der Konferenz am 28. Juni 2014 in Hamburg gibt’s hier.

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