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Hurra, wir leben!

Neue Folge der Kolumne von Stephan Ruß-Mohl.

Der dritte Börsencrash innerhalb weniger Jahre, Griechenland, Italien und andere Staaten eigentlich pleite, die Rettungsschirme immer weiter aufgebläht, bis absehbar auch sie platzen werden. London brennt, die Hungerkatastrophe in Ostafrika weitet sich aus, der Bürgerkrieg in Libyen und Syrien fordert immer mehr Opfer, der Norden Japans ist nuklear verstrahlt, selbst Norwegen wird von einem irren Amokläufer terrorisiert, Hoffnungsträger wie Timoschenko und Ai Weiwei sind im Gefängnis oder unter Hausarrest. Dazu fortschreitender Realitätsverlust der politischen Eliten, die glauben, Gesetze machen zu können, an die sich gefälligst die anderen halten sollen, nur sie selbst nicht.

Kaum noch Wirklichkeitsbezug auch bei Großverdienern – seien das nun Investmentbanker, Fußball- oder Filmstars -, die jenseits jedweder leistungsbezogenen Bewertung ihrer Arbeit Millionen zusammenraffen, aber auch bei einem Teil des Volks, das von Werbung und Fernsehen zugedröhnt und infantilisiert, sich einfache Lösungen (und wahrscheinlich insgeheim auch den starken Mann) erträumt.

Eine hochexplosive Gemengelage, der Weltuntergang scheint (wieder einmal) nahe. Al Neuharth, der legendäre Gründer von „USA Today“, hat ihn in den achtziger Jahren schon mal durchgespielt – hier seine Aufmacher-Varianten: „New York Times: ‚Weltuntergang – Länder der Dritten Welt am stärksten betroffen‘; „Wall Street Journal“: ‚Weltuntergang – Dow Jones Index sackt auf Null-Marke‘; „Washington Post“: ‚Weltuntergang – Aus Regierungskreisen verlautet: Weißes Haus hat Frühwarnungen ignoriert‘; „USA Today“: ‚Wir sind alle tot! Allerletzte Sportergebnisse S. 6 C.‘


Diese Kolumne wurde zuerst in der österreichischen Wochenzeitung „Die Furche“ veröffentlicht, VOCER darf sie mit freundlicher Genehmigung verwenden.

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