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Für Glaubwürdigkeit werben

Journalisten sind besser als ihr Ruf – nur wie sollen sie das ihren Leserinnen und Lesern vermitteln? Horst Schilling plädiert im Videoporträt für einen präsenteren Presserat.

Als er Journalist wurde „weil ich gut schreiben konnt“, behaupteten die meisten Verleger und viele Journalisten noch, Journalismus könne man nicht lernen, das sei ein Begabungsberuf. „Ich habe eigentlich keine richtige Ausbildung erfahren. Ich habe mir das alles selber angeeignet“, erinnert sich Horst Schilling an sein Volontariat ab 1950. Als Ausbildungsredakteur bei der Koblenzer „Rhein-Zeitung“ systematisierte er als erster das Redaktionsvolontariat. Von 1974 bis 1993 bildete er in 14 Lehrredaktionen über 250 Volontäre aus. Sein Konzept stand unter anderem Pate für den Tarifvertrag über das Redaktionsvolontariat, der 1990 in Kraft trat. Das autodidaktisch erworbene Wissen „habe ich weitergegeben an andere“.

Und als er 1985 als Vertreter des Deutschen Journalisten-Verbandes in den Deutschen Presserat gewählt wurde, „war es folgerichtig, dass ich die Spruchpraxis nicht in den Aktenbergen verschwinden lassen wollte. Ich habe sie aufbereitet und dann jedes Jahr Spruchpraxis geschrieben, also immer wieder Kolleginnen und Kollegen Orientierungshilfen bieten wollen für den beruflichen Alltag“.

Horst Schilling war seit 1975 Mitglied und Sprecher der Redaktionsvertretung, ab 1985 der zweite Mann an der Spitze und von 1993 bis 1996 Chefredakteur der „Rhein-Zeitung“: „Wir haben uns mit dem Produkt identifiziert. Und wir haben uns praktisch die Beine ausgerissen für unsere Zeitung“.

Den Kampfgeist von früher vermisst er: „Heute gibt es sehr viele Einzelkämpfer“. Mit seinen Seminaren zur Berufsethik hat er Nachwuchsjournalisten Mut gemacht, sich ihre Kritikfähigkeit zu bewahren, denn „Journalisten müssen immer wieder um die Glaubwürdigkeit und das Ansehen ihrer Presseorgane kämpfen“. Von 1991 bis 2013 referierte er in den Volontärkursen der ABZV.

 

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