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Ein „Zuhause“ für Menschen in Not

Das Sozialunternehmen morethanshelters wirbt bei Startnext um Unterstützung für sein Pilotprojekt in einem jordanischen Flüchtlingslager. Dort will das Team die Versorgung syrischer Flüchtlinge mit temporärem Wohnraum verbessern.

Das Ziel von morethanshelters ist die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen, die durch gewalttätige Konflikte, Naturkatastrophen oder ökonomischer Not ihre Heimat verlassen mussten und in Flüchtlingslagern, informellen Siedlungen und Slums oder Townships wohnen. Dies betrifft bereits heute über eine Milliarde Menschen, bis 2050 wird sich ihre Zahl, laut Schätzungen der Vereinten Nationen, verdreifachen.

morethanshelters hat eine Notunterkunft für die humanitäre Not-, Sofort- und Katastrophenhilfe – genannt DOMO – entwickelt, die einfach und intelligent an verschiedene geographische und klimatische Kontexte und vor allem an kulturelle Besonderheiten sowie individuelle Situationen angepasst werden kann. morethanshelters baut hier nicht nur eine Infrastruktur, sondern bindet die Menschen in oft schwierien Situationen über Strategien der Partizipation mit ein, um sie zu aktiven Gestaltern ihres Lebensraumes zu machen und damit einen Neuanfang zu unterstützen. Nach erfolgreichen Test im vergangenen Sommer, wird das System im kommenden Frühjahr erstmals, in Zusammenarbeit mit der Technischen Hilfswerk (THW), im mit über 120.000 Menschen inzwischen zweitgrößten Flüchtlingslager der Welt in Za’atari (Jordanien) zum Einsatz kommen.

Finanzierung von Sozialunternehmen

morethanshelters ist ein Sozialunternehmen. Diese Idee – auch als „Social Business“ oder „Social Entrepreneurship“ bekannt – hat vor allem durch das Wirken des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus in den letzten Jahren zunehmende Bekanntheit erlangt. Die mitunter abweichenden Definitionsversuche eint die Vorstellung, dass Sozialunternehmen gesellschaftliche und ökologische Probleme mit unternehmerischen Mitteln lösen.

Die konkrete Ausgestaltung verschiedener Sozialunternehmen ist in der Realität sehr unterschiedlich – insbesondere in Bezug auf die jeweilige Finanzierung. Viele soziale Geschäftsmodelle sind dabei aber weiterhin auf staatliche Förder- oder Stiftungesgelder und Spenden aufgebaut. Dies ist legitim, sofern das unternehmerische Denken zu einem effizienteren und nachhaltigeren Umgang mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen führt.

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Illustration des modularen Notunterkunftsystems DOMO von morethanshelters.

Das gesellschaftsverändernde Potential der Idee des sozialen Unternehmentums kommt allerdings insbesondere dann zum Tragen, wenn es gelingt, die Wirtschaft als Ganzes sukzessive zu verändern – hin (oder zurück) zu einer sozialen bzw. mehr an den menschlichen Bedürfnissen ausgerichteten Ökonomie. Nur so werden (nicht nur finanzielle) Ressourcen in Richtung einer gesteigerten Wert- und Sinnorientierung wirtschaftlicher Betätigung umgeleitet.

Ungeachtet der zahlreichen Probleme im Bereich der Finanzierung von Sozialunternehmen – insbesondere durch die noch unzureichende Integration in die bestehe öffentliche und private Förderlandschaft, sehen wir gerade hier die besondere Potentiale für eine neues Wirtschaften. Potentiale, die wir als rein profitorientiertes Unternehmen oder als klassische Non-Profit-Organisation nicht heben könnten.

Wirkungsorientierung statt Profit

Seit Gründung von morethanshelters im Februar 2012 haben wir auf verschiedenste Finanzierungsformen zurückgreifen können. Eine Förderung durch die Hamburger Innovationsstiftung, soziale denkende Investoren, private Darlehen und eine Bürgschaftskredit ermöglichten die Startfinanzierung des Unternehmens. Aktuell versuchen wir via Startnext – durch Unterstützung vieler Einzelner, vereint als krititische Masse (die „Crowd“) – unser erstes Projekt im jordanischen Flüchtlingslager Za’atrai zu finanzieren und gleichzeitig Mittel aus „Corporate Social Responsibility“-Programmen etablierter Unternehmen anzuwerben.

Dieser Überblick zeigt: Erst und gerade die Positionierung als Sozialunternehmen ermöglicht es uns, die soziale Wirkung unserer Arbeit zu erhöhen. Sozialunternehmer sind Jongleure in einem vielfältigen Mix aus verschiedenen Instrumentarien der Finanzierung.

Intern haben wir für dieses Denken in ein Wortspiel übertragen. Das klassische Vokabular der Wirtschaftswelt – „Business Pläne“, „Business Cases“ etc. – haben wir ersetzt, um unserem abweichenden Fokus auf soziale Wirksamkeit (social impact) statt reiner Profitorientierung Rechnung zu tragen. morethanshelters entwickelt stattdessen „Impact Cases“, unser Geschäftsmodell ist in einem „Impact Plan“ niedergeschrieben. Das Denken und erprobte Instrumentarium der Wirtschaftswelt werden zu einem möglichen Hebel, einer Methode unter Vielen, die sich – vor dem Hintergrunde der Wirkungsorientierung und Wirkungsmaximierung – gegenüber anderen Formen der Finanzierung behaupten muss oder diese ergänzen kann.

Soziales Unternehmertum hat deshalb viel mit Kreativität zu tun. Die Fähigkeiten und besonderen Stärken des Künstler, des Architekten, der Produktdesignerin, des Sozialwissenschaftlers und des klassischen BWL-lers werden bei morethanshelters nicht als Dogma („so macht man das halt“) verstanden, sondern als sich ergänzende Perspektiven („so kann man das machen“) vereint. Der transdisziplinäre Blick ist unser Handwerkszeug. In jeder Situation schauen wir genau hin, welcher Ansatz, welche Methode, welches Werkzeuge passt. Gemeinsam suchen wir dann die beste, weil Wirkung maximierende Lösung und Idee.


Startnext

VOCER hat nicht nur selbst ein alternatives Finanzierungsmodell, sondern schreibt auch über andere Projekte, die unkonventionelle Wege gehen.
Jeden Monat stellen wir ein Crowdfunding-Projekt von der Plattform Startnext vor, das wir für fördernswert halten.
 

 

 

 

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