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Die Zukunft gehört denen, die sie wollen

Die Ausbildung der journalistischen Zukunft ist dann erfolgreich, wenn sie Absolventen hervorbringt, die sich sagen: Mir stehen alle Möglichkeiten offen, und ich habe große Lust, sie zu nutzen. Das ist banal. Und neu schon gar nicht. Das Problem ist, dass es aktueller denn je ist.

Die Medienwelt befindet sich in einer tiefgreifenden Umbruchsphase. Das schlägt sich nieder im Selbstverständnis vieler Journalisten und solcher, die es werden wollen. Verunsicherung als Reaktion auf unsichere Zeiten ist vollkommen normal. Was mich besorgt: wie viel Fatalismus und Resignation ich gerade bei jungen Journalisten wahrnehme. Immer wieder erlebe ich in den Kursen, die ich als Gastdozent an der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern gebe, Studierende, die früheren Zeiten nachtrauern. Die das Internet primär als Bedrohung sehen. Die sich keine glänzende Zukunft des Journalismus mit ihnen selbst als Mitgestalter vorstellen können oder wollen.

Es muss allererste Aufgabe der Journalismusausbildung sein, diese jungen Menschen wachzurütteln. Sie in den Arm zu nehmen, wenn es sein muss. Wichtiger als alles inhaltliche und fachliche Rüstzeug ist es, dass angehende Journalisten den Glauben an sich selbst und die Zukunft des Journalismus besitzen.

Inhaltlich muss der Schwerpunkt in Richtung Journalismus im und mit dem Netz verschoben werden. Das Internet hat den Journalismus sowohl inhaltlich wie auch in seinen Rahmenbedingungen stark verändert – bereichert. Jeder Journalist, jede Journalistin, egal wo er oder sie letztendlich arbeitet, muss sich in diesem Umfeld zurecht finden können.

Natürlich ist es weiterhin unerlässlich, dass Journalisten lernen, wie man eine Meldung aufbaut, wie man recherchiert und eine Reportage schreibt, wie man einen Audio- oder Video-Beitrag produziert. Doch auch diese journalistischen Formen, ursprünglich fix in Zeitung, Radio und Fernsehen verankert, werden zunehmend über das Web konsumiert – und müssen entsprechend gedacht und umgesetzt werden. Simple Beispiele: Inhalte können im Netz weit über ihren ursprünglichen Erscheinungskontext hinaus geteilt werden; was anderswo schon gut oder besser abgehandelt wurde, kann verlinkt oder eingebettet werden; das Publikum kann aktiv in die eigene Arbeit einbezogen werden – oder mischt sich von alleine ein.

Nebst dem Lehren, wie Journalismus im Netz aussehen sollte, muss Journalismusausbildung das Verständnis dafür schärfen, wie sich im Zeitalter des Internets die Rolle des Journalisten im Ökosystem der Wirklichkeitskonstruktion verändert hat. Dazu gehört, dass Journalisten häufiger als einordnende Instanz, denn als Primärquelle gefragt sind. Dass die Arbeit von Journalisten viel stärker hinterfragt wird. Dass von Journalisten erwartet wird, dass sie transparent und erreichbar sind (siehe dazu auch: Der Journalist im Netz – was muss er sein, was muss er können?).

Einfach ist das alles nicht. Es ist schwer. Sehr schwer. Das habe ich während meiner eigenen Journalismusausbildung erlebt, und das erlebe ich in meiner Arbeit als Journalist umso mehr. Insofern besteht die Aufgabe der Journalismusausbildung auch darin, den angehenden Journalistinnen und Journalisten die Angst zu nehmen.

Ich bemühe dazu immer das Konzept, das mir selber am meisten hilft, in diesen stürmischen Zeiten nicht zu verzweifeln. Das Ideal des Journalisten in perpetual beta: Wir experimentieren, machen Fehler, lassen uns korrigieren, lernen ständig dazu. Und wir akzeptieren bereitwillig, dass wir trotzdem immer in einem unfertigen Stadium bleiben werden.

Wer bereit ist, zu scheitern und immer wieder aufzustehen, dem stehen alle Möglichkeiten offen. Gerade im Journalismus von morgen.

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