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Die Medienbranche hat diese Generation nicht verdient

Frag nicht, was die Medienbranche für dich tun kann, sondern was du gegen die Medienbranche tun kannst. Andreas Grieß‘ Wutrede vom VOCER Innovation Day jetzt zum Nachlesen!

Vor zwei Jahren habe ich mein Studium „Online-Journalismus“ in Darmstadt abgeschlossen. Kann man das studieren? Ja, kann man. Es ist ein Praxisstudium und ich war darin unter anderem bei „Spiegel Online“, der „taz“ und dem Sport-Informations-Dienst (SID). Außerdem haben wir Praxisarbeiten mit zum Beispiel „Frankfurter Rundschau“ und „Hessischem Rundfunk“ gemacht. Ich traue mir und meinen Studienkollegen also durchaus einiges zu.

Nach dem Studium habe ich Bewerbungen für drei ausgeschriebene Stellen angefertigt. Die waren für – kein Witz – die „Frankfurter Rundschau“, die „Financial Times Deutschland“ und die dapd. Genommen wurde ich letztlich bei „Meedia“. Die sind zwar nicht pleite, wurden aber bekanntlich aufgekauft. Unter der neuen Führung beschloss man dann auch, dass es günstiger ist, ohne mich zu arbeiten. Man kann also in gewisser Hinsicht sagen, ich bin bereits mit 26 schon so etwas wie der Totengräber der Medienbranche. Warum also nicht aus der Not eine Tugend machen? Ich glaube: Die Geschäftsführer, Chefredakteure und Verleger der Medienbranche haben meine Generation nicht verdient!

Martin Giesler hat neulich in seinem Blog gefragt, wie er damit umgehen soll, Agenturmeldungen umschreiben zu müssen, während er doch eigentlich Formate wie Snowfall, Buzzfeed, oder NowThis News umsetzen will. Ganz ehrlich: Gute Frage.

Frust im Job

Wenn man überhaupt einen Job im Journalismus findet, ist der schnell sehr frustrierend für unsere Generation. Wenn man etwas Innovatives umsetzen will, kann man Bingo mit den Gründen spielen, warum das nicht klappen wird:

  • zwischen dpa-Meldungen keine Zeit dafür,
  • Vorgesetzter findet es doof,
  • oder der Klassiker: das fehlerbeladene CMS lässt eine Einbindung nicht zu.

Und gleichzeitig darf man sich anhören, wie der Chefredakteur in einer Redaktionssitzung oder schlimmer noch auf irgendeinem Medienforum fordert: „Wir wollen auch mal so etwas wie Snowfall haben.“ Ja, ich will auch „etwas“ wie Olivia Wilde haben. Aber ganz ehrlich: Das Mädel, mit dem ich ausgehe, kennt in Hollywood keiner und die hat trotzdem einiges drauf. Oder anders gesagt: Liebe Verleger: Mal darüber nachgedacht, warum die DFB-Elf immer zweite hinter Spanien wird, also hinter dem Team, dessen Spielsystem sie ständig mit einem Jahr Verzögerung kopiert? Aber Jogi Löw lässt dabei wenigstens die jungen Talente ran. In der Medienszene ist die Situation eine andere.

Was können wir?

  • Wir sprechen laut Schulbildung zwei oder mehr Fremdsprachen – Programmiersprachen nicht mit eingerechnet.
  • Wir können mit Geräten umgehen, die Verleger noch als „potentiell monetarisierbare Endgeräte, für deren publizistisch-ökonomischen Nutzen eine externe Agentur ein mittelfristiges auf die entsprechenden Verlagsstrukturen maßgeschneidertes Konzept entwickeln soll“ bezeichnen.
  • Wir erschaffen noch im Studium Projekte, die für den Grimme Online Award nominiert werden.
  • Wir können die Reichweite vieler Texte kleinerer Medien allein dadurch verdoppeln, dass wir sie mit unseren Twitter-Followern teilen.

Und was ist der Dank?

  • Wir leihen uns noch mit Mitte Zwanzig Geld von den Eltern, weil wir in unbezahlten Praktika hängen
  • Wir bekommen nach Praxisstudium und besagten Praktika erst mal nur ein nicht mal nach Tarif bezahltes Volontariat, in dem jedoch nicht wir Fortbildung erhalten, sondern wir euch zeigen, wie das CMS funktioniert.
  • Gott sei Dank, bekommen wir meistens keine Festanstellung, sonst müssten wir noch in die Rentenkasse einzahlen, die dieselbe Generation gerade plündert

Ich halte mich für einen durchaus guten Journalisten. Und ich sehe mich mit 26 auch nicht mehr als jung an. Vielleicht unterscheidet uns das. Wir machen eher Abi, sind eher mit dem Studium fertig, also wollen wir auch eher im Leben stehen. Im Fußball wirst du mit 26 als Sportinvalide aussortiert. Meine Abikollegen sind zum Teil verheiratet und haben Kinder. Die können das bezahlen. Also die Abikollegen jetzt, die Fußballer ja sowieso.

Das Alte muss weg

Die Branche ist so verschlafen und Vitamin-B-gesteuert, dass es eigentlich egal ist, ob man streng links ist oder streng marktliberal, man muss zu dem Schluss kommen: Das Alte muss weg. Deshalb sollte die Politik nicht Verlage fördern, sondern Journalisten. Kein Leistungsschutzrecht, sondern bessere Gründerzuschüsse. Keine vereinfachte Pressefusionen, sondern eine unkomplizierte und solide finanzierte KSK. Und auch über die Verteilung der Rundfunkbeiträge sollte man reden: Ein Günther Jauch sind umgerechnet alle Lokalblogs Deutschlands und ich frage ernsthaft, wer mehr zum politischen Diskurs beiträgt.

Doch auch wir selbst sind gefragt. Der Medienwandel ist kein Naturereignis, er wird von Menschen gemacht. Und deshalb ist er auch keine langsame Evolution, in der diejenigen, die sich nicht anpassen, aussterben. Er ist eine Revolution, wo die Sieger die Verlierer enthaupten. Ich muss hier noch einmal betonen:  Ich bin freilich gegen Gewalt und dies war kein Aufruf dazu!

Dennoch. An alle „Nachwuchsjournalisten“: Lasst dies unser Motto sein: Frag nicht, was die Medienbranche für dich tun kann, sondern was du gegen die Medienbranche tun kannst. Die Dinosaurier hatten ihre Chance. Seien wir nicht John Hammond (das ist der aus Jurassic Park), sondern der Meteorit. Erschaffen wir neue Publikationen, neue Apps, sogar neue Print-Magazine! Ein Studienkollege hat letzteres getan.

Wir sollten es selbst tun

Wir sollten unseren Arbeitgeber selbst erschaffen. Und wenn wir eine gute Idee haben, sollten wir sie jetzt umsetzen. Ich betone: Wir selbst sollten das tun und wir sollten es jetzt tun. Mark Zuckerberg hat auch nicht erst noch ein unbezahltes Praktikum bei MySpace gemacht, bevor er seine „Website“ aufsetzte.

Also sorgen wir dafür, dass diejenigen, die uns nicht wollen oder nicht machen lassen, in ein paar Jahren bereuen, dass sie sich uns in den Weg gestellt haben. Einer der Gründer von WhatsApp wurde bei Facebook für einen Job abgelehnt. Nun zahlte Facebook für sein „Baby“ 19 Milliarden Dollar. Fuck off!

Bleibt nur eine Frage. Und die kann ich leider nicht beantworten:

Wer zahlt uns jetzt die Miete?


social-media-week-hamburg Diese Wutrede hielt Andreas Grieß am VOCER Innovation Day im Rahmen der Social Media Week Hamburg. VOCER war erneut Medienpartner der Veranstaltungswoche und mit mehreren Events vor Ort dabei.

Anschauen ab Minute 27’40:

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Kommentare

  1. NonKon sagt:

    Ja, bitte! Von Dieckmann bis Pohl, SIE sind so unerträglich konformistisch, ich bin diesen selbsbesoffenen Betroffenheitsjournalismus der sich nicht um Fakten schert so unglaublich satt!

  2. […] beachtete Rede über die Lage seiner Generation in der Branche gehalten. Am Ende kommt er zu einem bösen Schluss: “ Frag nicht, was die Medienbranche für dich tun kann, sondern was du gegen die […]

  3. Jörg Mutke sagt:

    Das deutschsprachige Internet ist mittlerweile überschwemmt von Texten, in denen sich (junge) Journalisten beklagen, dass sie kein Geld mit ihrem Job verdienen können oder nicht genug. Und natürlich ist Journalismus die wichtigste Tätigkeit der Welt, weil nur durch ihn unser Staat funktioniert, oder so.

    Aber dieser Text toppt für mich alles. Die großen Jungs wollen Euch nicht mitspielen lassen und jetzt wird geklagt, dass die Welt ungerecht sei. Und dann müsst ihr als Berufsanfänger noch lauter Sachen machen, die keinen Spaß machen sondern einfach schnöde und langweilige Arbeit sind. Verrat mir doch mal einer einen Beruf, wo das anders ist. Wenn man nicht was eigenes aufmacht, spielt man nunmal erst einige Jahre nach den Regeln der anderen.
    Aber ihr jungen Journalisten seit natürlich auch was ganz beosnderes, wo ihr doch zwei Sprachen sprecht, programmieren könnt und alle schon mal fast den Grimme-Preis gewonnen habt. Also mal ehrlich, werdet erwachsen.

    Wenn ich mit meiner Arbeit kein Geld verdienen kann, gibt es mehrere Möglichkeiten. Ich bin nicht so gut, wie ich glaube, es gibt keinen Markt für meine Arbeit oder ich bin gut und es gibt einen Markt, aber niemand weiß, dass ich gut bin (Diese Aufzählung ist nicht zwingend abschließend.). Das ist in jedem Job der Welt so. Warum soll den jetzt die „Politik“ Journalisten fördern, warum nicht Altenpfleger, Erzieher und Polizisten?

    • Carsten sagt:

      Wo steht denn im Text, dass „die Politik“ Journalisten fördern soll? Im letzten Absatz lese ich das Plädoyer, sich selbst besser zu organisieren und sein eigener Chef zu sein.

      Bei Kommentatoren wie Ihnen braucht es definitiv bessere Journalisten.

      • Reinhard sagt:

        @Carsten Es ist immer sinnvoll, erst aufmerksam zu lesen und dann zu kommentieren! Hier die Textzeile, auf die sich ein Teil des Kommentars von Jörg Mutke bezieht: ,,Deshalb sollte die Politik nicht Verlage fördern, sondern Journalisten“. Wo genau er steht, müssen sie selber suchen…

    • Mir ging es beim Lesen ähnlich wie Jörg. Natürlich habe ich überlegt, wo ich mit 26 stand. Ja, in dem Alter merkt man nicht unbedingt, wie jung man noch ist. Ich hatte damals, von Praktika mal abgesehen, auch noch nicht mal ein Jahr richtige Berufserfahrung, hielt mich aber für superschlau, weil ich von der DJS kam. Ich war motiviert, hatte Ideen, ärgerte mich über rückständige und umständliche Alte. Gerne wäre ich zu GEO gegangen, aber das war nicht realistisch. Die hätten mit meinesgleichen zehn GEOs machen können.
      Rückblickend hatte ich eines: eine gute Ausbildung. Aber ich brauchte auch erfahrene Vorgesetzte, die mir beibrachten, wie es in der Praxis läuft. Noch mal: Ihr seid jung, jung, jung! Und wenn ihr mit 26 heute im dritten Berufsjahr seid… so what. Ihr habt noch mehr als 40 vor Euch. Und ihr werdet auch als alte Säcke noch Arbeit haben wollen. Also kommt aus dem Angriffsmodus raus und macht bitte nicht Kollegen verantwortlich für Strukturen in den Medienunternehmen, für die Verlagskaufleute verantwortlich sind. Es wäre nicht gut, wenn es den Chefs gelänge, uns (Euch Junge und uns Alte) gegeneinander auszuspielen.

      • Verlagskaufleut sagt:

        „…für die Verlagskaufleute verantwortlich sind“?! Ernsthaft? Als solcher ehemaliger: Ein Verlagskaufmann ist ein Ausbildungsberuf, heute neudeutsch Medienkaufmann, und zu sagen hat man gar nix. Das macht immer noch die Verlagsleitung, Geschäftsführer usw. Das ganze Spielchen „wir dürfen nix und erklären unseren Vorgesetzten und altgedienten Kollegen dann mal nebenher wie die ganzen technischen Sachen von Geräten bis Software funktionieren – das ist nicht begrenzt auf feine Journalisten. Das ist simpler Generationenkonflikt in der Arbeitswelt! Ich bin grad mal 30, aber ist auch nicht grad toll immer wieder Praktikanten sitzen zu haben, die glauben die Welt und mir meinen Job erklären zu können … und beim ersten Projekt hochkantigauf die Nase fliegen. Ach ja, von der langweiligen und „Praktikanten ausnutzenden Altagsarbeit“ mal ganz abgesehen. Ist ja unsexy. Man ist ja was besseres und hat den Durchblick noch mit Löffeln gefressen. Kommt mal in der Realität an und versucht mit den Leuten und nicht gegen alle was anzupacken!

    • Frank Martini sagt:

      Es ist noch schlimmer, lieber Herr Mutke!
      Ein bisschen kann ich – beileibe kein „junger Journalist“ mehr, die Wut des Autors sogar verstehen. Nur übersieht er – und mit ihm all die anderen von Ihnen mit der Kritik zu Recht in die Schranken gewiesenen – dass das „Elend“ in unserem Berufsstand nicht erst mit der Generation Grieß‘ und ein paar Jahre älterer wie jüngerer Kollegen begonnen hat, sondern anscheinend in der Natur dieses Berufs liegt.

      Ebenso übersieht Grieß – möglicherweise eine Ursache seiner mangelhaften Einschätzung mit – dass bspw. meiner Generation nicht nur nicht die Mittel (mehr oder minder schnelles Internet in der Fläche und entsprechend verbreitete Zugänge mit allen Möglichkeiten in Gestalt von Plattformen, Blogosphäre etc, die daran hängen/auf dieser Basis erst entstehen konnten) gar nicht zur Verfügung standen. Und dass – selbst wenn es so gewesen wäre – zweifelhaft ist, ob wir derartig öffentlich rumjammernd diese Gelegenheit genutzt hätten.

      Denn dass, wie Sie vollkommen zu Recht feststellen, das Netz von derartigen Texten inzwischen überschwemmt ist, ist Symptom einer sich längst zunehmend verselbständigenden „Diskussion“, die einst vielleicht – gut gemeint – als versuchter Zusammenschluss gegen das Verhalten von Medienunternehmen gegenüber ihren „Contentlieferanten“ begonnen haben mag, inzwischen aber an einem Punkt angelangt ist, der ganz sicher unserem Berufsstand nicht nur nicht nützt, sondern ihm m. E. nachhaltig schadet. Allein durch die von Ihnen zu Recht beklagte Inflation dieser Textsorte – so berechtigt ihre Inhalte prinzipiell auch sein mögen.

    • Steffen sagt:

      Überspitz formuliert: Ey Alter, wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!

      Da macht also der Nachwuchs den Mund auf und schon wird drüber hergezogen, dass es allen so geht. Stimmt nicht. Und erst recht nicht für die heranwachsende Generation. Ich bin sogar älter als der Autor hier, kenne die Medien in Deutschland schon länger und kann viele seiner Punkte so unterschreiben. Etwas, das zu kurz kam (und welche der Kommentator hier so schön übersieht) ist die Causalität der Schufterei. Wenn ich in anderen Berufen nur lange genug arbeite, hart genug ackere, mich denen da Oben anbiedere, gibt es die Chance auf Aufstieg und Rentenzahlung. Diese Logik stellt sich in den Medien schon seit Jahren nicht mehr ein. Ein Selbstbedienungsladen der alten Generation, von Politik nur durch Lobbyisten partiell gefördert. Deutsche Medien, seien es Print-, Online-, TV-, Film-, Musikbranchen, sind sowas von hinterher und so ausbeuterisch gegenüber den nachwachsenden Ressourcen, dass man sich fragen darf, wann es dem „Normalo“ mal auffällt, mit welcher mittelmäßigen Scheisse er täglich abgespeist wird.

      Und da kommt jetzt einer mit Krankenschwestern und Polizisten. Wieder mal den Zuammenhang nicht begriffen…

      • Jörg Mutke sagt:

        „Wenn man keine Ahnung hat…“ soso. Aber wenn es doch so fürchterlich ist Journalist zu sein, dann lernt doch was anderes. Nochmal: Wenn ich kein Geld oder zuwenig Geld für meine Ansprüche verdiene, bin ich nicht gut genug oder es gibt keinen Markt für mein Können oder ich kann mich nicht vermarkten. Die Welt ändert sich nicht für mich, ich kann sie nichtmal selber ändern – zumindest kann ich nicht sicher sein, dass sie sich so ändert, wie ich das vorgesehen habe. Ändern kann ich nur mich und das was ich tu.

  4. Joachim Graf sagt:

    Komisch. Wenn ich fest(!)angestellte RedakteurInnen suche, dann wollen Sie entweder drölftausend Euro im Monat weil der Whatsapp-Gründer doch auch 19 Milliarden …. und man selbst doch auch im Internet …. oder Sie verstehen auf die Aufforderung, mir Arbeitsproben zu schicken die Frage nicht – oder schicken mir den letzten Konzertbericht über die Dorfband oder die Bescheinigung, dass Sie den CSS-Kurs mit Auszeichnung bestanden haben. Wo sind denn die armen geplagten JungjournalistInnen, die auch mal in der Lage sind einen Zusammenhang in deutsche Sprache zu packen und nicht als erstes ein neues CMS und eine kuhle Äpp haben wollen? Die dürfen mir gerne mailen. Man findet mich im Internet.

  5. Ich bin 43 (fühle mich natürlich jünger) aber muss eines dazu beisteuern: DAS WAR SCHON IMMER SO!

    Ich habe daher auch stets mein eigenes Ding gemacht. War immer gefühlter freiberuflicher Journalist mal mit 50% Einkommen durchs Schreiben, mal mit 90% aber stets mit einem zweitem und drittem Standbein. Anders wäre das gar nicht möglich gewesen. Dies möchte ich Euch jungen ans Herz legen. So bleibt man unabhängig und ärgert sich nicht über jede Absage. Die Medienlandschaft zwingt uns dazu Universalisten zu werden. Das ist mühsam, aber irgendwan dann auch mal sehr praktisch. Und es macht unabhängig. Zumindest ein bisschen…

  6. Stefan Johannesberg sagt:

    Ein bisschen zu viel Selbstmitleid, das den wahren, schlagkräftigen Kern ein wenig schwächt. Mit „An alle “Nachwuchsjournalisten”…“ hätte es enden müssen. Aber ansonsten: Top

  7. […] [Update 24.2.2014] Dazu passt sehr schön diese Wutrede, die Andreas Grieß im Rahmen der Social Media Week in Hamburg …[/Update] […]

  8. Nomis sagt:

    Ich verstehe den Frust, aber die angeblich so selbstzufriedenen innovationsfeindlichen „Alten“ 40+, haben selbst größtenteils schon seit 15 Jahren oder länger dasselbe Problem. Das sind nämlich – gerne vergessen – geburtenstarke Jahrgänge, die sich seit dem Ende ihrer Schulzeit mit hunderten von Altersgenossen um die Jobs schlagen – und zwar bis heute. Viele hatten spätestens nach dem Studium keinerlei Perspektiven auf dem damals völlig überfüllten Arbeitsmarkt und mussten von Anfang an kreativ werden, um sich ihre Jobs selbst zu schaffen. Bei Bewerbungen um offene Stellen waren 600 (!) Mitbewerber nicht ungewöhnlich. Und wer sich heute mit über 40 einen neuen Job suchen muss… da weiß jeder, wie die Chancen sind. Das sieht heute völlig anders aus. In den allermeisten Branchen werden junge Berufseinsteiger heute stark hofiert und die Einstiegsgehälter liegen teilweise sogar über dem, was so mancher mit über 40 und mit vielen Jahren Berufserfahrung verdient. Es ist also eine Frage der Branche. Es ist schlicht und ergreifend nicht einfach, im Journalismus zu überleben, und noch schwerer als Freier. Das ist aber für alle Medienleute so und liegt am Markt, nicht am Alter. Im Gegenteil, wer als Journalist über 40 ist und seinen Job verliert oder mit den knappen Honoraren einfach nicht (mehr) überleben kann, ist echt gekniffen und hat nur wenig Perspektiven, obwohl er noch über 20 Jahre arbeiten muss. Da ist ein ganz anderer Druck dahinter, als bei einem 26-Jährigen, der seine berufliche Laufbahn noch vor sich hat.

  9. Wolf Szameit sagt:

    Ich habe aus meinem Studium (na gut, das war kurz nach dem Urknall) wenige Merksätze mitgenommen, aber einer passt hier: Um einen Anspruch durchzusetzen, braucht es eine Anspruchsgrundlage. Und die fehlt meist dem, der von außen irgendwo reinwill.

    D.h. ein Bewerber wie der Kollege Griess kann einen gut bezahlten, interessanten und [hier Lieblingsadjektiv einsetzen] Job fordern, bis er blau anläuft. Er hat offenbar nichts in der Hand, um seinen Anspruch durchzusetzen. Und dann treffen eben andere die Entscheidung, ob er den Traumjob bekommt, und zwar auf der Basis ihrer jeweiligen Interessen.

    Andererseits: Eine aufschlussreiche Diskussion darüber, womit ein Journalist als Selbstständiger Geld verdienen kann, vermisse ich schon lange. Vermutlich läuft es so: Wer eine gute Idee hat, setzt sie um und bespricht sie nicht erst mit potenziellen Wettbewerbern. Schade eigentlich. Aber wer würde es anders machen?

  10. Lieber Andreas Gries,
    Ihr Schreiben ist sehr aufschlussreich. Zum Beispiel hatte ich noch nie von Olivia Wilde gehört. Ich gehöre ohnehin einer anderen Generation an, war ein Freund von Wau Holland, dem Gründer des CCC und lerne gerade von einem anderen Weggefährten, dem eLearning-Spezialisten Lutz Berger (www.zweckschön.de) wie ich mehr Bilder und Filme in mein vorsintflutliches Golfportal einzubauen kann, das ich seit mehr als 15 Jahren extrem textlastig betreibe, weil mir die Bildbearbeitung so schwer fällt.
    Jemanden wie Sie würde ich sofort mitmachen lassen, aber ich könnten Sie nicht bezahlen. Ich habe niemals einen Praktikanten ausgebeutet, aber jungen Leuten mehrfach angeboten, mein Golfportal umzubauen, bis es Geld spuckt. Das wollte aber niemand. Dann doch lieber Praktikant in eine Online-Bude.
    Bei mir war das so: Ich war früher Modevertreter. Da musste man reisen, was echtes Geld kostet und nur, wenn man etwas verkauft hatte, bekam man irgendwann seine Provision. Meist mußte man erst mal ein halbes Jahr überbrücken und konnte nur hoffen, dass man ein gutes Label erwischt hatte, dann die Kunden zahlen und die Firma die Provision rausrückt. Will damit sagen: Ich wurschtele mich auf http://www.cybergolf.de seit 15 Jahren irgendwie mit Selbstausbeutung durch und langsam kommt der „return of investment“, aber es könnte wesentlich schneller mit jemandem gehen, der Agentur-Speak und die Geräte beherrscht. Soviel dazu.
    Jetzt noch eine Zeitungsidee mit USP: Wenn ich heute im Zeitungsmarkt etwas machen wollte, dann würde ich eine Zeitung machen, die eine größere Schrift hat. Egal was drin steht. Einfach eine größere Schrift. Ich habe schlechte Augen, kann keine Lesebrille vertragen und so geht es Tausenden, mal abgesehen davon, dass es im Cafe und wo immer man noch Zeitung liest, wesentlich angenehmer ist, eine größere Schrift zu haben. Klar kann ich mir jede Meldung auf dem iBook ansehen. Aber solange es noch Zeitungen gibt, und es wird sie hoffentlich noch lange geben, sollte auch eine dabei sein, in der man die Schrift entziffern kann. Meines Wissens gibt es keine. Ich würde sie so nennen, wie mich mein Enkelsohn manchmal ruft. Er sagt „Blindfisch“ zu mir.
    Sollten Sie also eine Zeitung planen, könnten wir sie „Der Blindfisch“ nennen. Ich schreibe dann die Kolumne „Golfsport für Blindfische“.
    Alles wird gut, sagt meine Heilpraktikerin, und manchmal bin ich fast so weit ihr zu glauben. Also: Rotz hoch ziehen, weiter machen und das Projekt „Blindfisch“ kalkulieren.
    Herzliche Grüße
    Eugen Pletsch
    http://www.cybergolf.de

    • Steffen sagt:

      Herr Pletsch,
      so wie Sie ihr Golfportal beschreiben, arbeiten heute auch größere Betreiber. Und StartUps, mein Gott, all die StartUps! Keine Geld im Voraus, aber etwas zahlen, wenns was wird. Nur warum sollen die jungen Leute das mit sich machen lassen? Die sehen nämlich Ü-30-Leute wie mich, die sich 10 und mehr Jahre lang auf solche Sachen eingelassen haben. Fazit: Lieber das eigene Portal aufmachen und versuchen, damit etwas hinzukriegen, als jemand anderes Traum verwirklichen. Es ist sein Traum. Und das ist auch schön so. Aber wenn dafür kein Geld da ist, dann bleibt es SEIN Traum. Da muss man niemanden mir reinziehen, unter vagen Versprechen.
      Es freut mich, dass ihre Arbeit inzwischen Früchte trägt.

    • Lieber Herr Pletsch,
      ein Teil des Problems liegt aber sich auch an der Golfbranche allgemein. Ich merke dies insbesondere im Vergleich: Das Golfsportmagazin (www.golfsportmagazin.de), welches ich nun auch schon seit vielen Jahren betreibe, brauchte deutlich länger um schwarze Zahlen zu schreiben im Vergleich zu unseren anderen Projekten, etwa http://neuer-journalismus.de/debatare-unsere-medien/ . Die Branche hat lange die Zeichen der Digitalisierung nicht erkannt und viele Akteure befinden sich auch aktuell in einer wirtschaftlich ehr schwierigen Situation.

  11. Roland Rischawy sagt:

    Diese Wut-Rede habe ich mit einiger Verwunderung gelesen. Die Sprache, die Ausdrucksweise, die seltsamen Gedankengänge, sprachlichen Unzulänglichkeiten und die vielen Komma-Fehler: Genau das ist der Punkt, der dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt, um das mal ein wenig schräg zu formulieren. Seit wann fördert die Politik Verlage? Tageszeitungen kämpfen auf dem freien Markt, ohne Gebühren zu bekommen: Sie leben allein von den Vertriebserlösen (Abonnements) und den Erlösen aus dem Anzeigengeschäft. Als die Zeitungen in den sechziger und siebziger Jahren Volontäre einstellten, da konnten sie auf Nachwuchs-Journalisten bauen, die noch richtig schreiben konnten, die auf dem Gebiet Naturtalente waren. Heute schlagen nicht nur Chefredakteure die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie sehen, was da nachrückt – auch Germanistik-Professoren sind frustriert, welche Mängel die Studenten in puncto Schreibfähigkeit und Lesekompetenz aufweisen. Mit einer spartakistischen Kampfsprache und „Enthauptungs“-Phantasien jedenfalls taugt man nun wahrlich nicht für guten Journalismus.

  12. dos sagt:

    Die Reaktion des Autors ist doch ganz natürlich. Wäre ja schlimm, wenn der Nachwuchs nicht mit Nachdruck an den Stühlen der Etablierten rütteln würde. Natürlich ist das mehr Gebell und Geschreie, aber von frischem Idealismus lebt jede Branche.

    Und etwas Wahres ist ja auch dran. Gerade die Verlegeretagen sind offensichtlich ziemlich ideenlos, wie sie ihren Laden weiter finanzieren sollen. Der Journalismus braucht frische Ideen.

  13. Lewi sagt:

    Ich bin 28 und auch gelernte Journalistin, muss aber sagen, dass ich nach dem Studium zwar gespannt war, was passiert, aber auch keine allzu hohen Erwartungen hatte. Die Branche vergibt wenige Stellen an immer mehr Interessenten (wer gut unterkommt hat meistens Vitamin B genommen) und ist in großen Teilen auch sehr undankbar – aber das weiß man vorher.

    Ich habe nach dem Studium (Dipl-Journ) über 30 Bewerbungen geschrieben, von großen Medienhäusern über Agenturen bis hin zu Unternehmen, Stiftungen, Verbänden. Es ist für den eigenen Seelenfrieden entscheidend, dass man auch glücklich mit seinem (Berufs)leben ist, wenn man keine Visitenkarte eines Großverlags vorzeigen kann.

    Ich persönlich habe für mich entschieden, meiner Qualifikation nach Stellen zu suchen und wenn mir der Job inhaltlich nicht reicht, gibt es heute viele Möglichkeiten, selbst und völlig verlagsfrei zu publizieren – zum Beispiel via Blogs oder Selfpublishing. Es steht auch jedem frei, immer mal wieder eigene Medienprojekte zu starten, einige meiner ehem. Kommilitonen tun das und ich finde es klasse, wenn jemand diesen Gründergeist mitbringt. Die Branche verschwendet gute Talente in rauen Mengen – aber wir müssen unser Talent nicht verschwenden lassen sondern können es auch unabhängig von einem Arbeitgeber entfalten.

    Ich finde es richtig und wichtig, die Branche zu kritisieren und meiner Wahrnehmung nach ist die Branche auch recht ordentlich selbstkritisch. Aber die Erwartung, bei „den Großen“ mit Kusshand empfangen zu werden, wenn man einer aus dem Heer der vielen angehenden Medienleute ist, ist eben auch etwas vermessen. Man muss einen langen Atem mitbringen, Bilanz ziehen würde ich mit 50, aber eher nicht ;-)

    Wer mit Mitte 20 ein Haus bauen und ein Kind bekommen möchte, sollte sich vielleicht einen anderen Beruf aussuchen.

    • Wolf Szameit sagt:

      30 Bewerbungen? Ich habe in den Achtzigern mehr Bewerbungen um ein Volontariat auf der damals alternativlosen Schreibmaschine _getippt_ ;-)
      …und am Ende eins gekriegt – bei dem Verlag, wo ich eh schon als freier Mitarbeiter und Pauschalist tätig war. Das Wort ineffizient war damals noch nicht so gebräuchlich. #-)

      Der Ansatz, auf die eigene Zufriedenheit zu achten, ist für meine Begriffe goldrichtig. Das setzt voraus, dass ich weiß, was ich will und was gut für mich ist. Wer so weit ist, hat was Wichtiges geschafft. Der Rest wird sich finden. :-)

  14. […] Abschließen wollen wir diese Kurzempfehlungen mit einem Lightning Talk des Onlinejournalisten und Gründers von youdaz.com und elbmelancholie.de, Andreas Grieß. In einer 5 minütigen Brandrede rechnete er auf eindrucksvolle, wortgewaltige und unterhaltsame Weise mit seinen bisherigen Arbeitgebern und der etablierten Verlagswelt ab. „Die Dinosaurier hatten ihre Chance. Seien wir nicht John Hammond (das ist der aus Jurassic Park), sondern der Meteorit.“ –  Andreas Grieß. Nachzulesen und anzuschauen auf VOCER. […]

  15. […] aus Hamburg, hat vergangene Woche mit einer Rede bei der “Social Meedia Week” für einiges an Aufsehen gesorgt. Seine Rede wurde schnell als “Wutrede” gedeutet. Als ein Manifest einer vom […]

  16. Als „andere Seite der Medienmedaille“ kann ich die Wut absolut nachvollziehen. Aus Sicht meiner Branche ist nichts notwendiger, als starke, unabhängige und vertrauenswürdige Medien. Dazu gehören auch qualifizierte Journalisten. Daher wünsche ich mir, dass sie diese Stärken ausspielen.
    Nur mit einem Satz kann ich nichts anfangen: Warum muss denn die Politik wieder irgendwas fördern? Staatsgläubige Journalisten brauche ich im Gegenzug genauso wenig.
    Aber das schien – hoffentlich – nicht Dein Tenor zu sein.
    Im Gegensatz zu Anneli Botz sehe ich hier eher positive und konstruktive Vorschläge: http://www.scheidtweiler-pr.de/anneli-botz-kotzt-sich-mal-so-richtig-ueber-die-medienbranche-aus/

  17. […] Medienjournalist aus Hamburg, hat vergangene Woche mit einer Rede bei der “Social Meedia Week” für einiges an Aufsehen gesorgt. Seine Rede wurde schnell als “Wutrede” gedeutet. Als ein Manifest einer vom Journalismus bitter […]

  18. Thomas sagt:

    Das sollte wohl eine Art rhetorische Glosse sein, verfehlt aber das Ziel. Frei nach dem Motto, ich bin hochqualifiziert, holt mich hier raus. Wer hält den Kollegen avon ab, 30 Stunden die Woche als Online-Redakteur in einem Unternehmen zu arbeiten und den Rest der Zeit sein Startup zu machen oder was immer er tun möchte? Es gibt nur drei Optionen: Fressen, sterben oder selber machen und wenn er erstes beides nicht möchte und letzteres trotz seiner ach so hohen Quali nicht hinbekommt, jammert er uns was von den bösen Medienonkels vor, dabei will er doch genau in diese Branche rein, die er hier verurteilt.

  19. leser sagt:

    Schon mal überlegt, ob sich die bräsigen, unkreativen, dummen usw. Verleger usw. genau die Schlussfrage auch gestellt haben: Wie soll ich mit einem mega-kreativen Projekt so tolle Leute wie Dich bezahlen können?

    Und im Ernst: Bisschen zuviel Selbstmitleid und zu überheblich. Träumen darf man ja davon, dass einem der hochbzahlte und innovative Job auf dem Silbertablett serviert wird. Aber wer mit 26 anderen Vorträge halten will, sollte eigentlich den Unterschied zwischen Traum und Realität kennen.

    Was willst Du denn: Geld verdienen oder den beruflichen Traum leben? Wenn Du´s weißt, pack an und zeig` den Faul-Doofen wie es geht, aber heul nicht rum. Zwischen hungerndem Innovator und stumpfem Wortbeamten gibt es seit ewigen Zeiten auch noch so was wie „Ich backe sozusagen Brötchen und ich backe Torten. Von den Brötchen lebe ich“. Das hat sich nur nicht gleich zum „lightning talk“ aufgemandelt.

    Und jetzt mag mich der „lightning“ treffen…

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