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Die Geschichte des Herrenwitzes ist eine Geschichte voller Missverständnisse

Medienanwalt Höcker weiß, dass es bei den meisten Geschichten keine Wahrheit gibt, auf die sich alle einigen können. In seiner Glosse schlüpft er in die Rolle eines fiktiven Beobachters, der dabei war an der Hotelbar.

Rechtlicher Hinweis: Die Personen, Dialoge und Gedanken in diesem Stück sind zum Teil frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit dem weitgehend wortidentischen Artikel von Laura Himmelreich über Rainer Brüderle in der Print-Ausgabe des „Stern“ vom 24. Januar 2013 ist alles andere als zufällig.


Für mich ist es nicht immer angenehm, 63 Jahre alt zu sein, ein Mann und Politikjournalist. Das liegt an Frauen wie Laura Himmelreich. Es war vor einem guten Jahr, in der Nacht vor dem Dreikönigstreffen in Stuttgart. Wie jedes Jahr stehen Journalisten und Liberale an der Bar des Hotels Maritim zusammen. Rainer Brüderle hat ein Glas Weißwein in der Hand. Ich auch und es ist nicht unser erstes. Brüderle will von mir wissen, wie mir seine Rede vor ein paar Stunden auf dem Landesparteitag gefallen hat.

„Naja, Sie haben Rösler die Show gestohlen. Besser als Sie kann er morgen kaum werden“, sage ich.

„Allerdings“, nuschelt Brüderle zufrieden in sein Glas hinein. Jetzt wird es interessant, denke ich, denn es heißt, Rösler persönlich habe verhindert, dass Brüderle auch auf dem Dreikönigstreffen sprechen darf.

„Warum will Rösler nicht, dass Sie morgen sprechen?“, frage ich beiläufig und gucke möglichst harmlos. Ich wechsle in einen vertraulich-ironischen Tonfall und zwinkere Brüderle zu: „Hat er wirklich solche Angst vor Ihnen?“ Brüderle lächelt. Je weinseliger er ist, desto redseliger wird er. Das weiß man. Deshalb sitze ich hier. Außerdem kennt er mich seit Jahrzehnten und weiß, dass er offen mit mir sprechen kann. Was in der Hotelbar passiert, bleibt in der Hotelbar. Da kann er mir vertrauen – Journalistenehre!

Brüderle seufzt: „Ach wissen Sie, der Rösler… der Röösler… Was ich Ihnen jetzt sage, behalten Sie aber für sich!“ Während Brüderle noch einen spannungssteigernden Schluck Weißwein zu sich nimmt, trippelt von rechts eine blonde junge Frau heran.

„Herr Brüderle!“, sagt sie einen Tick zu schrill und blickt ihn investigativ fordernd an: „Wie finden Sie es denn, im fortgeschrittenen Alter zum Hoffnungsträger aufzusteigen?“

Verdammte Scheiße, sie hat’s verbockt, die Anfängerin! Dabei hatte ich ihn gerade soweit. Brüderle und ich sind im selben Alter. Mir ist sofort klar, dass er solche Bemerkungen hasst. Doch er überspielt seinen Ärger und gibt den Ball gekonnt und altersmilde mit einer angemessen dosierten Spitze zurück:

„Ach, das Alter. Sie würde ich jedenfalls auf 28 Jahre schätzen. Habe ich Recht? Mit Frauen in dem Alter kenne ich mich aus.“

Haha, gut gekontert, freue ich mich über diese Ehrenrettung für uns ältere Herrschaften. Tja, man sollte die Alten nicht unterschätzen, Kleines! Jetzt wirst Du ja wohl merken, dass Du störst, also lass das hier mal den Papa machen! Doch meine Hoffnung wird sofort enttäuscht:

„Was genau meinten Sie, als Sie in Ihrer Rede vorhin sagten, dass Deutschland sich nicht schnell genug verändert?“ bohrt die „Stern“-Redakteurin unbeirrt weiter und rückt Brüderle noch einen Schritt näher auf die Pelle. Puh, es ist halb eins, wir stehen an einer Theke, haben jeder eine Flasche Wein intus und die will hier staatstragende Reden hören. Das kann doch nicht wahr sein!

„Ach, lassen wir doch die große Politik“, nimmt Brüderle mir die Worte aus dem Mund und lächelt sanfter, als ich es an seiner Stelle noch könnte. „Reden wir lieber über Sie: Woher kommen Sie?“

„München“, antwortet die Journalistin schmallippig.

Brüderle blickt auf die Cola light in ihrer Hand: „In München sind die Frauen doch eigentlich trinkfest“ füllt er die Stille mit geübtem Smalltalk. Die Angesprochene antwortet, dass sie privat, zum Beispiel auf dem Oktoberfest, durchaus schon einmal ein Bier trinke – wenn es passt. Ich muss schmunzeln. Brüderle auch. Sein Blick wandert von der Cola in ihrer Hand über ihren Busen hinweg nach oben zu ihren Augen. Mein Blick bleibt auf halber Strecke hängen.

„Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“, reitet ihn jetzt ein wenig der Teufel. Es ist offensichtlich, dass die ebenso übereifrige wie ungeschickte Reporterin ihn nervt, er will sie ein bisschen provozieren aber irgendwie findet er sie wohl auch halbwegs attraktiv. Brüderle scheint sich mit der Situation zu arrangieren. Schlecht für mich. Ich hätte gerne mehr über sein Verhältnis zu Rösler erfahren. Doch die Dame will einfach nicht gehen. Ich überbrücke die Wartezeit mit einem Riesling und höre Brüderle sagen:

„Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen!“

Großartig! Er veräppelt sie weiter. Das junge Ding weiß doch gar nicht mehr, was Tanzkarten waren.

„Herr Brüderle!“, weist sie ihn mit durchdringend hoher Stimme zurecht, „Sie sind Politiker, ich bin Journalistin!“

So so, Journalistin, amüsiere ich mich still. Ich würde sagen, bis dahin ist es noch ein weiter Weg!

„Politiker verfallen doch alle Journalistinnen“, legt der alte Büttenredner Brüderle noch einen drauf. 

„Ich finde es besser, wir halten das hier professionell“, entgegnet sie. Brüderle sieht die Journalistin lange nachdenklich an und sagt leise: „Am Ende sind wir alle nur Menschen“.

So ist es. Vor allem nachts um eins an einer Hotelbar.

„Warum glauben Sie eigentlich, nach all den Jahren plötzlich so beliebt geworden zu sein?“, versucht Frau Himmelreich es jetzt doch noch menscheln zu lassen.

„Weil ich der Beste bin.“

Jawoll! Er nimmt Dich nicht ernst und das völlig zu Recht. Hoffentlich begreifst Du das jetzt und lässt mich endlich meine Arbeit als professionell menschlicher Journalist machen.

Aber wieder werde ich enttäuscht. Brüderles Sprecherin tippt ihm an die Schulter. Er verabschiedet sich von mir. Dann beugt er sich zu der Cola-Light-Trinkerin herunter, so als wolle er ihr noch etwas ins Ohr flüstern. Sie aber weicht plötzlich zurück und hält in einer theatralischen Geste ihre Hände vor ihren Körper. Brüderles Sprecherin missversteht die Situation und eilt von hinten heran:

„Herr Brüderle!“, ruft sie streng. Sie führt ihn aus der Bar. Zu der Journalistin sagt sie: „Das tut mir leid.“ Zu ihm sagt sie: „Zeit fürs Bett.“

Laura Himmelreich sollte ein ganzes Jahr brauchen, um ihre „ganz eigenen Erfahrungen mit dem Mann, dem die FDP jetzt folgt“ zu verarbeiten.

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Kommentare

  1. Georg Weßling sagt:

    Erich
    Kästner hat geschrieben: „Du darfst nie so tief sinken, von dem Kakao,
    durch den man dich zieht, auch noch zu trinken.“ Genau das tut aber die
    „Journalistin“ Himmelreich. Wer aufmerksam liest, was sie als ihr
    Erlebnis beschreibt, merkt doch sehr schnell,
    dass sie von einem von ihr genervten Politiker, der überhaupt keine
    Lust auf politische Gespräche mehr hatte, total durch den Kakao gezogen
    wurde. „Tanzkarte“, „Dirndl“ und „Handkuss“, das ist weder zotig noch
    Anbaggern. Das ist schlicht „Verarsche“. Sie hat es offenbar bis heute
    nicht gemerkt und leider andere angebliche „Qualitätsjournalisten „offenbar auch nicht.

    • Ralf_Hoecker sagt:

      Jedenfalls ist das eine realistische Möglichkeit, wie jeder weiß, der solche Situationen schon einmal erlebt hat. Der Hinweis auf den Kakao ist übrigens berechtigt. Man muss davon ausgehen, dass die Dame ihre „Kakao-Flecken“ nie mehr loswird. Als Politikjournalistin wird sie es künftig sehr schwer haben. Sie wird sicherlich keine Gelegenheit mehr bekommen, in vertraulichen, halb-privaten Situationen Hintergrundinfos aus Politkern (egal ob alkoholisiert oder nicht) herauszukitzeln, die diese in offiziellen Terminen niemals preisgäben.

      • Frau Himmelreich will ja gar nicht mehr als Politikjournalistin arbeiten. Wie sie auf pro-quote.de beklagt, besteht ja die Chefredaktion des STERN nur aus Männern und das will sie ändern, sie will da rein. Nicht wegen besonderer Kompetenzen oder herausragender Qualifikation, sondern weil sie eine Frau ist. Im Chefredakteur-Büro sitzen, den ergonomischen Bürostuhl wärmen und nur zu besonders aufmerksamkeitsreichen Interviews und Berichten raus zu müssen, natürlich mit Dienstwagen und anderen Redakteuren, die Fragen formulieren, mitschreiben und später den Artikel verfassen, den sie nur noch abnicken muss – das ist das Ziel der Frau Himmelreich. Ein geplanter Karrierespung durch eine schäbige Demontage eines harmlosen Mannes, der ihr Vater oder Großvater sein könnte und nie auch einer Fliege irgendwas angetan hat.

        Wer gesehen hat, wie Osterkorn bei Jauch Schleimspuren in Richtung Himmelreich auslegte, der hält es nicht für unmöglich, dass diese billige PR-Aktion zwecks Klicks und Auflage von ihm und ihr so geplant sein könnte. Vielleicht als Bedingung, damit sie ihr Ziel erreichen kann? Wer weiß.

        • Ralf_Hoecker sagt:

          Gut beobachtet!

          • Als Mann kann ich halt 1 und 1 zusammenzählen, aber vermutlich ist dieser Satz seit „Dirndlgate“ auch schon mindestens sexistisch. Gerüchteweise heißt es ja bald auch nicht mehr „Frau“, sondern „Menschin mit Menstruationshintergrund“ oder „xx-chromosomale Lebensform“ – der DUDEN ist bereits informiert ;-)

  2. Lena M. sagt:

    Ich würde gerne mal eine Version der Geschichte hören, in der ein junger Journalist Brüderle anquatscht und nervt. Wenn Mann Mann verarscht, klingt es bestimmt weniger respektlos. Trashtalk von mir aus, aber über der Gürtellinie – oder besser gesagt: dem Dekolleté.

    • Ralf_Hoecker sagt:

      Ein junger Journalist hätte möglicherweise auch genervt, wenn er mit einer Cola light in der Hand zu Brüderle gekommen wäre, um mit ihm anstrengende Fachgespräche zu führen. Vielleicht wäre er aber auch so geschickt gewesen, ganz einfach ordentlich mitzutrinken und handfeste Männergespräche zu führen. Oder er wäre in die Rolle des wissbegierigen Bewunderers eines lebenserfahrenen Spitzenpolitikers geschlüpft, der sich Ratschläge zur Berufs- und Lebensplanung abholt. Das sind Themen, mit denen sich Ältere gerne gegenüber Jüngeren als väterliche Ratgeber produzieren. Damit kriegt man sie. Das wissen junge Männer, die sich einschmeicheln wollen.

      Wenn das alles aber nicht funktioniert und der Jüngere den Älteren tatsächlich nervt, kann ich Ihnen versichern, dass Männer noch sehr viel harscher und respektloser zu anderen Männern sein können als es hier Herrn Brüderle unterstellt wird. Tanzkarte, Dirndl – das sind doch beißhemmungsbedingte Kinkerlitzchen verglichen mit dem, was Männer Männern an den Kopf werfen.

      • Akina sagt:

        Und deswegen ist es kein Sexismus?
        Deswegen ist es nicht verwerflich wenn Frauen sich so dämliche Sprüche anhören müssen?
        Weil Männer mit Männern viel harscher und respektloser umgehen?
        Deswegen sollte man eifnach unter den Tisch kehren, dass grade diese „kinkerlitzchen“ Millionen von Frauen belästigen, verängstigen und dazu führen, dass man sich als Frau nachts nirgendwo mehr hintraut?
        Ganz ehrlich Herr Höckler, bei dem was sie hier schreiben und wie sie Sexismus verteidigen kommt mir die Galle hoch.

        • Ralf_Hoecker sagt:

          Liebe Akina, ich wünsche Ihnen, mir und allen Männern und Frauen, dass diese hysterische Hexer- (nicht HexeN-)Jagd beendet wird und wir alle akzeptieren lernen, dass Männer und Frauen sich eben manchmal anders verhalten als vom anderen Geschlecht erwünscht. Dass Sie im Rahmen der Debatte um Rainer Brüderle, der von TANZKARTEN(!!!) gesprochen hat, gleich Millionen verängstigter Frauen beschwören, die sich nachts nicht mehr aus dem Haus trauen, ist – mit Verlaub – lächerlich und zeigt, wie sehr Sie in Ihrem blinden Furor über das Ziel hinaus schießen. Ich kopiere hier noch einmal rein, was ich weiter oben einem anderen Leser geantwortet hatte:

          „Männer tun und sagen Dinge (zum Beispiel sexistischer Art) die sie nicht böse meinen, die bei Frauen aber böse ankommen. Umgekehrt hätten Männer in aller Regel kein Problem damit, sich dieselben (zum Beispiel sexistischen) Sprüche von einer Frau anzuhören. Andersrum ist es genauso: Frauen tun und sagen Dinge, die sie für harmlos halten, die aber bei Männern belästigend ankommen. Würden beide Seiten mehr Verständnis dafür aufbringen, was bei der anderen Seite belästigend ankommt und würden beide Seiten eine größere Gelassenheit an den Tag legen, wenn es der anderen Seite doch einmal nicht gelingt, diese Sensibilität aufzubringen, wäre für das gute Verhältnis zwischen Männern und Frauen erheblich mehr getan, als wenn nur einseitig die Männer durch eine hysterische Sexismusdebatte an den Pranger gestellt werden.“

          • Akina sagt:

            Offenbar scheinen sie auch nicht zu lesen was ICH geschrieben habe.

            Ich bin keinesfalls für eine hysterische Hexer-Jagd. Allerdings finde ich es zum Kotzen, dass Sie #aufschrei und die Debatte um Sexismus im Altlag (sowohl gegenüber Frauen als auch Männern) immerwieder auf den Brüderle hinunterreduzieren.

            Die Geschichte um Brüderle mag die Debatte losgetreten haben aber es geht längst nicht mehr um Brüderle. Es geht um Sexismus im Allgemeinen und um Sexismus gegenüber Frauen im Besonderen. Alltäglichen Sexismus der Frauen weit häufiger begegnen wird als Männern.
            Und das Männer wie SIE glauben dass ein Spruch über das Dekollté einer Dame, ungefragtes Anfassen (WO AUCH IMMER) oder Dergleichen „kinkerlitzchen“ sind und Frauen sich ja mal nicht so anstellen sollen. Und das Frauen die sich gegen dämliche Sprüche wehren sich dann auch noch anhören müssen, dass sie viel zu empfindlich seien.
            Fakt ist nunmal: Sexismus ist derartig Alltag dass Männer glauben sie hätten ein RECHT darauf Frauen doof an zu machen.
            Und ja ich glaube das trägt definitiv dazu bei, dass s pöbelnde Idioten gibt, die Frauen nachts eine heidenangst einjagen, weil sie dämmliche Sprüche absondern.

          • Ralf_Hoecker sagt:

            Machen wir mal die Gegenprobe, vielleicht verstehen Sie dann, was ich meine: Sie kritisieren den „Sexismus“ der Männer. Welche Kritik üben Sie an Frauen? Nun sagen Sie nicht, dass Frauen auch manchmal sexistisch gegenüber Männern sind. Denn dann würden Sie wieder nur die weiblichen Maßstäbe auf Männer projizieren. Männer haben im Allgemeinen keinerlei Problem damit, Opfer von Sexismus zu werden. Es ist ihnen wurscht. Sie sehen darüber hinweg. Sie kennen Schlimmeres. Fällt Ihnen etwas ein?

          • Akina sagt:

            Mir fällt auf anhieb der arme Mann ein, der in einem Blog erzählte, dass er von drei Frauen auf seiner Arbeitsstelle belästigt wurde und anders als Sie sagen so gar nicht darüber hinweg sehen konnte und sehr darunter litt, dass die Damen ihn nur als ich behaupte mal „Lustobjekt“ sahen und als er sie darauf ansprach nur meinten, dass er dann ja mal wüsste wie es Frauen ginge.

            Ach ja das wollten sie ja nicht hören… Sie wollen ja lieber irgendwelche generelle Kritik an Frauen üben und sich damit wieder vom Thema entfernen, anstatt mal dabei zu bleiben worum es geht: Den generellen Sexismus im Alltag, der egal wann, egal von wem, immer vollkommen daneben ist und man deswegen darüber reden, diskutieren und im Zweifelsfall auch mal aufschreien sollte, damit verstockte Gemüter mal darüber nachdenken, was nicht in Ordnung ist, aber mittlerweile so zum Alltag gehört, das viele glauben es wäre „normal“.

          • menschelnd sagt:

            ich bin ehe zufällig hier gezwiitschert (somit ist mein Weg beschrieben)

            und möchte drei Dinge anmerken;

            @Akina

            meinen Respekt an Sie.

            es gelingt Ihnen super – relevante Anmerkungen von Herrn Höckner nicht un-bermerkt zu lassen

            UND

            immer wieder auf den (auch aus meiner Sicht) wesentlichen und wichtigen Kern einer notwenigen Debatte zurück zu führen.

            Dies tun Sie sowohl sprachlich, als inhallich einer sachgerechten und SOMIT respektvollen (lieber mag ich hier den Begriff ACHTSAMen) Art.

            @Herr Höckner
            Sie haben eine sehr wesentliche Aussage getroffen;Zitat:
            „Würden beide Seiten mehr Verständnis dafür aufbringen, was bei der anderen Seite belästigend ankommt…“

            Hier hätten Sie gut getan den Satz – mit einem „Punkt“ zu beenden.

            @beide (bzw. alle)

            aus meiner Sicht ist es hilfreich, wenn wir in der Diskussion um Sexismus sprachlich neutraler formulieren – anstelle von „Mann/Frau“ -> „Mensch“ einsetzen. Es könnte „eingefahrenen“ (auch reduzierenden) Argumentieren entgegenwirken, weil es schon im (nach)Denken darüber mehr Raum lässt.

            Für den Austausch zwischen Ihnen beiden – würde es einem Nebenzweig des Austausches schlicht den Boden entziehen…

            …nämlich dem vermeintlich „typischen männlichen und typisch weiblichen“

            herzliche Grüße

            menschelnd

          • Georg Weßling sagt:

            Was wären denn die Alternativen? Als langjähriger Pressesprecher fände ich es zum Beispiel nicht sonderlich hilfreich, wenn es wie in den USA eine Art Feind-Freund-Frontlinie zwischen Journalisten und Politikern gäbe. Zu Akina: Aus Ihrer Sichtweise heraus, wäre es wohl am besten, wenn Frauen und Männer gar nicht erst miteinander sprechen würden. Dann müsste sich auch niemand belästigt fühlen. Nur wie man/frau dann den oder die Partnerin fürs Leben oder auch nur einen Lebensabschnitt finden soll, müssen Sie uns noch sagen. Ich kenne viele Frauen, die selbst so genannte „Herrenwitze“ erzählen und darüber auch herzlich lachen können. Viele, gerade junge Frauen sind selbstbewusst genug, sich gegen jede Art von unangebrachter Anmache zur Wehr zusetzen ohne gleich „Skandal“ zu rufen. Dies ist in meinen Augen mal wieder eine typisch deutsche Debatte.

          • Ralf_Hoecker sagt:

            Ganz richtig. In diesem Sinne äußert sich heute auch Kubicki in der BamS. Er hat völlig recht. Die Debatte ist hysterisch. Schon kleinen Kindern wird erfolgreich beigebracht, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie auf dem Schulhof flapsige Sprüche hören: Weghören oder ebenso flapsig antworten. 20 Jahre später an der Hotelbar haben dieselben Personen es dann wieder verlernt und skandalisieren übliches Sozialverhalten. Es ist absurd und führt nur zu Misstrauen und zu dem, was Kubicki folgerichtig ankündigt: Er lässt künftig keine Journalistinnen mehr in seinem privaten Umfeld recherchieren. Zustände wie in den USA sind es, die wir dieser Debatte zu verdanken haben werden.

          • Akina sagt:

            Aus meiner Sichtweise heraus wäre es am besten, wenn jeder seinen Gegenüber so behandeln würde wie er selbst gerne behandelt werden möchte.
            Empfänden SIE es als Kompliment, wenn sie jemand von oben bis unten mustert und dann meint „Na deine Hose sitzt aber schön knackig, da biste ja richtig erwachsen geworden!“
            Nein? Warum soll dass Frauen gegenüber in Ordnung sein?

            Fänden Sie es lustig wenn man ihnen während der Schulzeit immer folgendes sagt: „Ja ich weiß ihr Jungen braucht kein Deutsch, ihr landet später ja eh nur in der Autowerkstatt oder aufm Bau, da müsst ihr euch nicht artikulieren können.“ Nein? Selbiges passierte ausnahmslos jedem Mädchen und jeder Frau die ich kenne in ihrer Klasse im Bezug auf Mathe, Physik und sämtliches Naturwissenschaftliche oder Informatische.
            Ich wurde sogar von meinem Lehrer belächelt, dass ich einen Iformatikkurs belegt hab, als eines der wenigen Mädchen, weil es mich interessierte. Und weil wir in Zweieteams arbeiten mussten, machte selbstverständlich mein männlicher Mitschüler die ganze Arbeit.

            Sie glauben viele junge Frauen können sich selbstverständlich wehren? Viele junge Frauen sind gut erzogen und zu perplex wenn ihnen jemand blöd kommt um zu reagierne und nicht einfach nur total verstört zu sein und ehe man dann was parat hat ist der idiot weg. Oder folgende Szenerie:
            Gehen wir mal von einer Frau wie mir aus, ich bin 21 Jahre alt, nich ganz 1,60 groß, nicht sonderlich sportlich. Es ist abends nach einer party vllt 3 Uhr. Busse und Bahnen sind bereits alle weg, man muss laufen. die Straßen sind vllt hell erleuchtet, aber trotzdem hat man ein mulmiges Gefühl.

            Dann kommt ein Auto, da drinnen 5 besoffene junge Männer, das AUto fährt langsam neben einem herr. Kommentare sehen wie folgt aus: „FICKEN?!“ „GEILE TITÖÖÖN!“ und das sind die harmloseren.

            Jetzt denken so Männer wie ihr das man als Frau da mal einfach mal zurück meckert. Sicherlich könnte man das aber nochmal: 5 besoffene Kerle? Selbst EINER würde reichen, damit ich die Klappe halte. Jeder Mann ist mir rein biologisch kräftetechnich überlegen. Wenn der sich von mir provoziert fühlt und einmal kräftig ausholt lieg ich am boden und

            der kann sonstwas mit mir treiben.Da versucht man davon zu kommen.

            Abgesehen davon: Warum muss ICH als Frau mich gegen unangebrachte Anmache zur Wehr setzen? Warum können Kerle diese nicht einfach sein lassen? Warum bringt man Mädchen bei wie sie sich verteidigen sollen, aber Jungs nicht, dass man andere nicht dumm anmacht oder gar einfach an Geschlechtstielen anfasst?
            Warum muss sich eine Frau rechtfertigen, keine verklemmte Zicke zu sein, wenn sie sich gegen sexistische Behauptungen wehrt? Warum muss ICH mir anhören, wenn ich dumm angelabert werde und das von ihnen geforderte selbstbewusste „Verpiss dich!“ loslasse, dass ich eine Hure wäre?

            Weit von Brüderles Geschichte IST der bestehende Sexismus und diese AKzeptanz des gnazen ein Skandal, den man auch so nennen sollte!

          • HDinter sagt:

            Dann bleiben wir mal bei Ihrem Beispiel, in dem sie um 3 Uhr nachts von 5 Idioten angepöbelt werden und übertragen das ganze mal auf einen Brüderle-Zwilling:

            Stern, spiegel etc würden Riesenartikel darüber schreiben das der Zwilling nachts um 3 Uhr an der Strasse angehalten und zu einer vorbeigehenden jungen Frau „FICKEN?!“ „GEILE TITÖÖÖN!“gebrüllt hätte. Alle wären sich einig das der Mann ein schrecklicher Sexist ist und am besten sofort mit Schimpf und Schande aus dem Amt gejagt werden müsste.

            Dann kommt der Originalartikel der jungen Frau raus und darin würde stehen das die junge Dame vor jedem vorbeifahrenden Auto die Bluse aufgerissen und „TITTEN“ geschriehen hätte.

            Können sie denn sich soweit in einen Mann hineinversetzen um zu erkennen das wir hier über 2 komplett verschiedene Situationen sprechen? Oder ist es egal was Frau vorher gemacht hat?

            Ich kann noch ein anderes Beispiel geben: Nehmen wir an ich sitze in einer Bar bei einem Bierchen, eine junge Frau kneift mir in den Hintern und lächelt mich an und ich glaube das Sie etwas von mir möchte. Darauf spreche ich sie an, bekomme eine Ohrfeige, Sie schreit Vergewaltiger und ruft die Polizei und ich habe einen Haufen Ärger am Hacken. Können Sie sich soweit in einen Mann hineinversetzen um zu erkennen das Mann sich in so einer Situation leicht ungerecht behandelt fühlt?

          • Simon sagt:

            Das hat nun nichts mehr mit dem eigentlichen Thema zu tun, weder mit Politik, noch mit Sexismus, das ist nun eine ganz andere Frage, nämlich die der Bildung bzw. Erziehung von Kindern/Jugendlichen.

          • Inga sagt:

            Oh je. Ohne Frage bedauerlich, diese Erfahrungen oder Gefühle. Aber ich teile sie nicht.

            Ich
            habe in vielen Männerberufen gearbeitet. Kann schweißen und flexen,
            fahre Trecker, habe Ego-Shooter gespielt und Autos geschraubt. Nein, er
            begnet mir nicht dieser „alltägliche Sexismus“. Am ehesten noch von
            Frauen selber, die sagen „lass das mal die Männer machen“. Natürlich
            habe ich auch schon blöde oder sexistische Sprüche gehört. Mir fallen
            gerade drei Situationen ein. Aber ich habe auch schon im Schwimmbad gelegen und habe mit Freundinnen Männer als „fickbar“ eingestuft. Ja, fickbar.
            Nun, ich habe es den Männern meist nicht erzählt. Aber auch das ist
            schon vorgekommen bei einem späteren Treffen. Das ist wohl Sexismus.
            Komme ich mit klar. Der Herr bis jetzt auch.

            Nein,
            ich bin kein geschlechtsneutraler Kampflesbentyp (ich möchte an dieser
            Stelle natürlich keine Lesben diskriminieren). Ich bin ehrlich gesagt
            visuell ziemlich privilegiert.

            Leider leider leider hat so viel mit einem selber zu tun.
            Und ständig Ängste zu haben, nein, das fällt mir nicht ein. Vor was
            auch? Das alle besoffenen Männer zu wahnsinnigen Vergewaltigern werden,
            wenn man das Falsche sagt? Fällt mir nicht ein da die Klappe zu halten.
            In erster Linie sind sie eines, besoffen.

          • Zunächst einmal finde ich die Glosse von Herrn Höcker ausgezeichnet und halte es nicht für völlig ausgeschlossen, dass Herr Brüderle Frau Himmelreich nur möglichst höflich loswerden wollte.

            Zwar soll es laut der Aussage des Stern-Chefredakteurs Herrn Petzold bei Lanz erst 22 Uhr gewesen sein, allerdings irrte dieser ja selbst bzgl. der Überschrift eines Online-Sternartikels (die Überschrift lautet entgegen seiner vehementen Leugnung bis zum jetzigen Zeitpunkt „Der spitze Kandidat“). Aber selbst wenn es „erst“ 22 Uhr war, ist dies wohl trotzdem nicht mehr der Rahmen für derart ernste Gespräche. Normalerweise möchte man einen langen Tag an der Bar doch gemütlich ausklingen lassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in Journalistenkreisen anders sein sollte.

            Was für mich im übrigen in der ganzen Debatte überall völlig untergeht und was lediglich von Frau Sass in einer früheren Lanz-Sendung angemerkt wurde, ist die Tatsache, dass Frau Himmelreich Herrn Brüderle mit der Bemerkung ansprach, wie es für ihn sei, in „fortgeschrittenem Alter“ als Hoffnungsträger seiner Partei zu gelten. Da war sie 28 und er 66. Ich empfinde das als Unverschämtheit. Warum wird das nirgendwo thematisiert???

            Zu Akina: Es tut mir leid, was „ausnahmslos jedem Mädchen und jeder Frau, die Sie kennen in Ihrer Klasse“ in den Naturwissenschaften passierte. Ich hatte in Mathematik fast durchgehend ein „Sehr gut“ und kann das insofern nicht bestätigen. Auch in Informatik habe ich meine Aufgaben selbstverständlich alleine erledigt. Dumme Sprüche haben vielleicht mal die Schülerinnen oder Schüler bekommen, die in einem Fach nicht die entsprechende Leistung erbrachten.

            Was Ihr 3-Uhr-nachts-Beispiel angeht: Ob männlich oder weiblich, um diese Uhrzeit alleine auf der Straße zu sein, ist immer ein Risiko. Bei einer 5er-Gruppe wäre auch ein Mann verloren. Wie sagt man so schön, wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Aber so eine Szenerie kann man doch nicht in dem Zusammenhang mit dem Fall Brüderle erwähnen. Das sind doch Äpfel mit Birnen verglichen. Natürlich betonen Sie, dass Sie das von dem Fall lösen möchten, aber das funktioniert momentan so nicht.

            Der einzige Lichtblick in dieser ganzen Debatte sind Artikel wie diese Glosse und alle weiteren Kommentare von Herrn Höcker oder auch der gute Beitrag von Frau Birgit Kelle.

            Natürlich vermeide auch ich es, nachts alleine einsame Wege zu gehen. Dass das gefährlich ist, sagt einem der gesunde Menschenverstand. Meines Erachtens gilt das für beide Geschlechter. Heutzutage werden Menschen schon für 10,- Euro überfallen. Was hat das mit Sexismus zu tun?

            Und wenn mir irgendwelche anzüglichen Witzchen oder Kommentare oder gar Berührungen nicht passen, dann muss ich das klar und deutlich artikulieren. Wenn ich das – aus welchen Gründen auch immer – nicht tue, obwohl mir die Situation nicht behagt, dann ist das mein Fehler. Mein Gegenüber kann nicht wissen, ob er eine Grenze überschritten hat. Grenzen sind subjektiv. Normalerweise passiert eine Grenzüberschreitung unter Bekannten – und Herr Brüderle und Frau Himmelreich waren ja nicht zwei Wildfremde, die sich grad erstmalig in einer Disko treffen – nicht einfach so aus dem Nichts. Und auch Frau Himmelreich hätte doch, wie Herr Lanz gestern mehrfach anmerkte, einfach klipp und klar sagen können, bis hierher und nicht weiter. Stop. So eine klare Ansage kam aber offenbar nicht. Warum? Weil sie schon die Idee hatte, das ganze für einen späteren Artikel weiter zu verfolgen?

            Herr Brüderle ist ein hochrangiger Politiker, und man befand sich in Gesellschaft. Das ganze kann man absolut nicht mit irgendwelchen betrunkenen Assis vergleichen, die einem nachts auf der Straße begegnen können und wo jeder – Frau oder Mann – besser sieht, dass er möglichst unauffällig das Weite sucht.

          • Wer hat hier wen „angemacht“? Wie kann eine junge Journalistin glauben, dass ihr ein älterer Politiker gegen Mitternacht an der Hotelbar noch „dienstlich zur Verfügung steht“? Weiß eine junge Journalistin nicht, wann Schluss ist? ICH vermute tatsächlich, dass Ralf Höcker sehr richtig liegt – und dass die junge Dame zuerst dem älteren Herrn auf die Pelle rückte, bevor der mit seinen (lustig gemeinten, genervten) Äußerungen begann .. .

  3. Akina sagt:

    Interessant finde ich ja an diesem geschriebenen halb fiktiven Artikel, wie auch in der Denkweise des fiktiven(?) Journalisten der Sexismus mitschwingt, um den sich die ganze Debatte doch eigentlich dreht.

    Mag ja sein, dass die Dame lange gebraucht hat um das zu verarbeiten und öffentlich zu bringen, dass die Debatte aber weder sinnlos, noch überzogen, noch unangebracht ist zeigt eindeutig dieser Blog, der ja eigentlich das Gegenteil beweisen wollte.

    Fail.

    • Ralf_Hoecker sagt:

      Sie haben den fiktiven Journalisten in der Tat treffend analysiert. Hinsichtlich der beiden anderen Figuren und Ihres Schlusses zur Sinnhaftigkeit der Debatte bin ich mir nicht so sicher. Es gibt bekanntlich immer verschiedene Wahrheiten. Im Moment wird aber überall so getan, als gebe es nur eine. Das ist der Ausgangsfehler der Debatte. Und es ist nicht der einzige.

      • Akina sagt:

        Solange es solche gegebenheiten gibt die in den #aufschrei tags geschildert werden ist diese Debatte berechtigt. Es wäre nur wichtig, dass sie nun auch zu einer Veränderung führt und sich nicht einfach im Sand verläuft.
        Das was besagte Journalistin beschreibt mag manch einer als lapidar empfinden, für sie war es aber nicht so (auch wenn ich persönlich den Zeitpunkt der veröffentlichung fragwürdig finde) und für viele andere Frauen ist der alltägliche Sexismus der ihnen begegnet auch nicht lapidar. und dass es ihn gibt, beweisen viele der Tweets.
        Sicherlich gibt es immer verschiedene Wahrheiten, und es gibt sicher auch verschiedene Standpunkte WO Sexismus anfängt, sei es nun bei dem Lehrer der vor der Physikklasse sagt „Ich erklär das jetzt nochmal für die Mädchen unter euch“ oder bei dem Chef der die Kollegin auf der Feier sexuell anpöbelt und es alle witzig finden, weil is ja der Chef und „Männer sind eben so“.
        Sicherlich gibt es auch Sexismus gegen Männer und Benachteiligung derer.
        Das alles ändert aber nichts daran, dass man diese Debatte nicht herunter spielen sollte. Mag der Auslöser vielleicht fragwürdig gewesen sein, die Grundlage für das ganze: Der Sexismus der Frauen im Alltag entgegen gebracht wird und von vielen als normal empfunden wird ist ein ernsthaftes Problem. Und darüber sollte geredet werden und nicht irgendwelche Geschichten gepostet werden laut denen alles ja „halb so wild“ ist.

        • Moki sagt:

          Eine Debatte über das Thema Sexismus finde ich auch angebracht. Aber nachts um 1 Uhr an der Hotelbar? Wenn alle schon was getrunken haben? Da wird geflirtet und gebaggert… und zwar aus Richtung beider Geschlechter. Natürlich läuft mir ein gruseliger Schauer den Rücken runter, wenn ein über 60-Jähriger eine nichtmal 30-Jährige anmacht. Aber man muss immer bedenken, dass es bei zwei Beteiligten auch immer zwei Versionen einer Geschichte gibt. Welche man glauben will, muss jeder für sich selbst entscheiden.

          Nur, wenn Brüderle seine Version jetzt erzählen würde, bekäme er noch mehr auf die Fresse als er eh schon bekommt. Deshalb schweigt er und wird’s irgendwann mal in seinen Memoiren rauslassen. Die Interpretation von Herrn Höcker, dass der erfahrene Brüderle zu später Stunde einfach keinen Bock mehr auf ernsthafte Gespräche hatte und die unerfahrene Journalistin verarscht (manche würden sagen tollpatschig darauf hingewiesen hat), ist zumindest eine Möglichkeit, die man nicht außer acht lassen darf. Gerade deshalb, weil die Stern-Autorin nicht nur ein vermeintliches Opfer von plumbem Sexismus ist, sondern auch noch ein berufliches Interesse daran hat, so eine Knaller-Schlagzeile rauszuhauen. Ich glaube übrigens nicht, dass ihr das zum Nachteil gereicht. Auf lange Sicht wird die Geschichte ihre Karriere befördern.

          • Akina sagt:

            Ganz offenbar haben Sie nicht verstanden worum es mir im Kern geht:
            Diese Geschichte um die Journalistin und den alten Politiker ist der Auslöser gewesen, aber sicherlich nicht das Kernproblem. Und besagte Reporterin ist ja nicht die einzige, der das passiert.
            Ich habe auch von einer Reporterin gelesen (ich meine vom Spiegel) der einfach mal eine Affäre angedichtet wurde, weil sie sich mit Informanten aus der Piratenpartei in einem Cafe traf und die via Twitter als Prostituierte betitelt wurde, weil sie ihren Job machte.
            Es geht hier um Sexismus. Und dabei geht es nicht nur um Sexismus gegen Frauen. Wenn eine Frau um die 60 einem jungen Reporter um die 30 irgendwelche dollen Sachen über seine ausgebeulte Hose erzählt finde ich das genaus ekelig und verwerflich, wie wenn das ein Brüderle mit dem Dekollte einer Dame macht.

            Sexismus ist so derartig alltäglich geworden, dass der Herr Höcker Scherze über einen Dirndl-Ausschnit als harmlos betitelt, weil da jemand genervt war.
            Wenn man genervt ist von ner Reporterin dann sagt man „Ziehen sie ab, ich hab keine lust“ oder höfflicher „Heute ist mir nicht mehr nach solchen fragen zumute wie wärs mit morgen?“, anstatt über irgendwelche kruden Herrenwitze die Dame zu verscheuchen. Das IST Sexismus. Und da hilfts auch nicht zu sagen „Man darf diese Möglichkeit nicht außer acht lassen“. Das ist Sexismus. Punkt.

            Und das es nicht nur der Journalisting so geht sondern einen haufen frauen (und auch Männern! Denn die twitterten auch schon!) so geht, beweist doch #aufschrei ! Das ganze herunter zu spielen, indem man immer wieder auf die scheinbare sinnlosigkeit des Artikels der Journalistin zu pochen (und hier sei mal eingeschoben: Den veröffentlichungszeitpunkt finde auch ich irgendwie fragwürdig, aber trotzdem ändert das ja nicht das kern problem) ist…. mir fehlen da die Worte… bescheuert trifft es nicht aber kommt nahe dran.
            Fakt ist: Man sollte sich endlich mal von diesem bescheuerte Brüderle Journalisten-Auslöser lösen und sich um die wirkliche Sexismus-Debatte kümmern, anstatt immer nur zu sagen „Der Auslöser ist harmlos, daran beißen wir uns fest, dass es harmlos ist und ignorieren die Debatte und die Erfarungen all der Frauen, die unter dem hastag was geschrieben haben“

          • jun sagt:

            Problem ist, hätte Brüderle sie weggeschickt, hätte er damit ihre Frage ob er zu Alt und verbraucht ist, mit „ja“ beantwortet. Sie hat mit der Diskriminierung angefangen und er hat sich gewehrt.

            Nett das sie das Szenario umdrehen. Nur wäre hier die gesellschaftlich akzeptierte Antwort auf die Unverschämtheit, eine Ohrfeige für den jungen Journalisten gewesen… und das Gespräch damit beendet.

          • Was wir den bisherigen Schilderungen nicht entnehmen können: Wer hat hier eigentlich wen zuerst „angebaggert“?

  4. netzhocker sagt:

    Lieber Ralf, ist ja eine nette Geschichte. Aber beschäftige dich doch mal mit den Themen: Victim-blaming und De-railing. Gerade für junge Autoren die sich gerne kritisch/satirisch mit aktuellem Zeitgeschehen auseinandersetzen wollen, kann die Kenntnis dieser Mechanismen eine wichtige Hilfestellung zur Erweiterung ihres Horizonts sein.

    Liebe Grüsse
    @netzhocker

    PS: Zwei-Herrenwitz wäre auch eine nette Überschrift gewesen.

    • Ralf_Hoecker sagt:

      Männer und Frauen sind unterschiedlich. Typisch männliche Verhaltensweisen können Frauen nerven und belästigen. Typisch weibliche Verhaltensweisen können Männer nerven und belästigen. Wenn ein Mann eine Frau durch männertypisches Verhalten belästigt, ist er frauenfeindlich und die Frau darf sich laut beklagen. Wenn eine Frau einen Mann durch frauentypisches Verhalten belästigt, ist der Mann auch frauenfeindlich, nämlich wenn er sich ebenfalls beklagt. Das meinen Sie wohl mit „Derailing“.

      Ich halte es für realistisch, dass Herr Brüderle und Frau Himmelreich sich an der Bar wechselseitig und gleichermaßen intensiv durch geschlechtstypisches Verhalten belästigt haben. Damit hätten sich beide gleich schlimm verhalten. Jetzt werden Sie sagen: Das kann man doch nicht vergleichen – Sexismus auf der einen Seite und bloße Nerverei auf der anderen. Doch. Das kann man. Es sei denn man nimmt, so wie offenbar Sie, ausschließlich die politisch korrekte weibliche Perspektive ein. Ein Mann, der einfach nur an der Bar sitzen und bei ein paar Wein Männergespräche führen will, kann sich durch eine möglicherweise nervig herumplappernde Frau Himmelreich subjektiv genauso intensiv belästigt fühlen, wie eine Frau Himmelreich sich belästigt fühlen mag, wenn Herr Brüderle (vielleicht sogar zum Zwecke der Selbstverteidigung?) im Kern harmlose (ja, harmlose, weil lediglich belästigende aber nicht böse gemeinte!) Scherze über ihre Dirndl-Qualitäten macht. Beide Formen der Belästigung sind also gleich schlimm, denn sie kommen beim jeweils anderen gleich intensiv belästigend an. Diese subjektiv empfundene Eingriffsintensität muss das einzige Kriterium für die Beurteilung einer potenziell belästigenden Handlung sein.

      Damit haben wir also ein doppeltes Sender/Empfänger-Problem: Männer tun und sagen Dinge (zum Beispiel sexistischer Art) die sie nicht böse meinen, die bei Frauen aber böse ankommen. Umgekehrt hätten Männer in aller Regel kein Problem damit, sich dieselben (zum Beispiel sexistischen) Sprüche von einer Frau anzuhören. Andersrum ist es genauso: Frauen tun und sagen Dinge, die sie für harmlos halten, die aber bei Männern belästigend ankommen. Würden beide Seiten mehr Verständnis dafür aufbringen, was bei der anderen Seite belästigend ankommt und würden beide Seiten eine größere Gelassenheit an den Tag legen, wenn es der anderen Seite doch einmal nicht gelingt, diese Sensibilität aufzubringen, wäre für das gute Verhältnis zwischen Männern und Frauen erheblich mehr getan, als wenn nur einseitig die Männer durch eine hysterische Sexismusdebatte an den Pranger gestellt werden.

      • netzhocker sagt:

        Derailing: Strategien, die angewandt werden, um eine Diskussion vom eigentlichen Thema ab/wegzulenken.

        Aber eigentlich noch bedeutsamer: Victim-Blaming eine Argumentationsmethode die die Schuld beim Opfer sucht.

        Liebe Grüsse

        @netzhocker:disqus

      • Vielen Dank Herr Höcker, Sie treffen exakt den Ton.
        Ein 63-Jähriger übertrifft eine junge, übermotivierte Journalistin in puncto Lebenserfahrung und Situationskenntnis um Welten. Brüderle ist ein Politprofi, der einfach müde war und eine junge Dame in jovialer Art auflaufen ließ. Souveränität ist leider ein seltener Gast in unserer Gesellschaft.
        Mit freudlichen Grüßen

  5. Christian Schmidt sagt:

    Gut geschrieben! Es kann eben auch eine vollkommen harmlose Barstory gewesen sein. In der ursprünglichen Version fehlt auch sehr häufig ihre Reaktion, aus der man mehr über den eigentlichen Vorgang hätte erfahren können.

  6. Simon sagt:

    Das Problem ist doch, dass es sich hier um zweierlei Dinge handelt. Einmal eine grundlegende Diskussion über das Thema Sexismus (egal nun ob von männlicher oder weiblicher Seite). Diese Diskussion sollte geführt werden, und zwar genauso wie das Thema es erfordert, nämlich generell, grundlegend, aktuell, politisch und möglichst objektiv. Dieses Thema sollte IMMER präsent sein, und nicht erst durch gewisse Fälle auf einmal ins Rampenlicht geraten. Das Zweite, was hier und in den Medien diskutiert ist, ist der Fall Brüderle, der dieses Thema losgetreten hat. (was wiederum nur zeigt, dass das erste Thema anscheinend NICHT genug Basis in der Gesellschaft oder Politik findet sondern immer erst einen Auslöser braucht??) Und dieses Zweite Thema, sollte nicht auf Sexismus reduziert werden, genau so wenig wie Sexismus auf das Thema „Brüderle“ reduziert werden sollte. Vielmehr sollte die Fragestellung heißen ob die Berichterstattung der Journalistin über solch ein Thema, die Veröffentlich im Stern und die lange Verzögerung tatsächlich journalistische Qualität haben und ob dies die richtige Art und Weiße ist mit dem Thema (ich sage bewusst NICHT Sexismus, da es auch hier immer subjektive Ansichten und Geschichten gibt) BELÄSTIGUNG umzugehen.

  7. Helmut Rond sagt:

    Gehst Du zum Weibe hin, so vergiß die Peitsche nicht!

    Diesen Satz schrieb ich als Kommentar in der TAZ. Man hat mich für alle Zeit gesperrt.

    Der wird bald in der Literatur gestrichen.

    So sieht die Zukunft aus, völlig Humorlos.

  8. Mona Vogelsang sagt:

    Ich hatte viel Vergnügen beim Lesen des „Herrenwitzes“.

    Alle denkbaren Versionen des Gesprächs zwischen Herrn Brüderle und der am liebsten Ungenannten habe ich in meinem Berufsleben schon goutieren können – sowohl als Danebenstehende als auch in der Position als Brüderl-Ine als auch als vermutlich Angebaggerte.

    Ohne Versuch und Irrtum/Erfolg kommt die Menschheit nicht weiter. Und ihrem biologischen Auftrag nicht nach. Kommt eine Person einer anderen zu Nahe, kann man Distanz schaffen, je nach persönlicher Animosität räumlich und zeitlich. Man kann auch das (nüchterne) Gespräch suchen, wenn man gutwillig ist und weiter harmonisch miteinander arbeiten will.

    Sexismus ist etwas völlig anderes: hier haben 2 Erwachsene auf Augenhöhe miteinander kommuniziert. Beide einflussreich. Und die Schreiberin hat sich auf die Position einer vermeintlich Schützenswerteren zurückkatapultiert. Solche Frauen braucht die Bewegung!

    Nach wie vor in großem Maße vorhandener Sexismus, auch unterschwellig, muss entlarvt und angegangen werden, ebenso Altersdiskriminierung und andere Phänomene, da gibt es kein Vertun.

    Ansonsten: ich erinnere mich gern an die Kontaktversuche meiner Gesprächspartner unterschiedlichster Art. Wie schrieb jemand so uncharmant – jenseits der Menopause werden sie seltener ;-)).

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