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Die „Future of News“-Bewegung wehrt sich

Bei der „New York Times“ kann man online nur noch über sein Facebook-Profil kommentieren – sehr zum Unmut mancher Leser. Außerdem lesenswert: In den USA ist eine leidenschaftliche Debatte um die Zukunft des Journalismus entbrannt.

Zukunft des Journalismus: Reformation statt Revolution

Lorenz Matzat fasst bei „Netzpolitik“ die verschiedenen Standpunkte einer leidenschaftlichen US-Debatte um die Zukunft des Journalismus zusammen. Was war passiert? Der Journalist Dean Starkman griff vor einigen Tagen in einem langen Beitrag für „Columbia Journalism Review“ die Vertreter der von ihm so getauften „Future of News“-Bewegung (FON) scharf. Die FON-Apologeten Clay, Shirky, Jeff Jarvis, Jay Rosen (und die weiteren üblichen Verdächtigen) würden lieber blind auf eine ungewisse publizistische Zukunft ohne traditionelle Institutionen setzen als auf den Erhalt ebenjener bewährter Institutionen. Von allen Repliken, auf die Lorenz Matzat verlinkt, ist die furiose Erwiderung von Clay Shirky am lesenswertesten. Man sollte sie unbedingt lesen.

The NYT tries to get its readers to ‚level up‘

Matthew Ingram von „GigaOm“ berichtet über das neue Kommentarsystem der „New York Times“. Dabei werden Kommentare von Lesern, deren bisherige Kommentare keinen Grund zur Beanstandung gaben, künftig ohne Umweg über die Moderationsschleife freigeschaltet. Kommentare können in Themensträngen dargestellt werden um Bezüge deutlich zu machen. Und der wichtigste Punkt: Man braucht ein Facebook-Profil um kommentieren zu können. Letzeres erregte den Zorn vieler Nutzer. Es zeigt aber auch, wie Ingram einen Kommentator zitiert, wie sehr Facebook zu einem Standardwerkzeug der Internetnutzung geworden ist. Jedenfalls ist das „NYT“-Modell einen Versuch wert.

Auch hierzulande wird noch nach praktikablen Modellen zwischen zu restriktivem Moderieren einerseits und drohender Troll-Vermüllung andererseits gesucht. Die Öffnung der Kommentarspalten nur tagsüber an Wochentagen, wie es die „Süddeutsche Zeitung“ im Netz praktiziert, kann jedenfalls nicht der Stein der Weisen sein.

The Naked Retweet Dilemma

In der amerikanischen Journalismusszene ist ein Disput darüber entbrannt, ob sich Journalisten mit einer Kurzmeldung bei Twitter gemein machen, wenn sie ihn kommentarlos wiederholen (retweeten). Im US-Journalismus gilt strikte Neutralität seit jeher als hohes Gut (Berichte und Leitartikel, bzw. Kommentare erscheinen in den Zeitungen deshalb grundsätzlich auf verschiedenen Seiten. Äußerst rigide Statuten hat die Nachrichtenagentur AP ihren Redakteuren auferlegt. Doch jetzt sich auch der Oregonian aus Portland zu den Hardlinern gesellt. „Nackte“ Retweets ohne redaktionelle Einordnung oder Distanzierung sind nicht mehr erlaubt.

 Zu den Kritikern der neuen Regeln gehört unter anderem der Journalismusprofessor und Autor Dan Gillmor („We the people“). Diskussionen über angemessenes Verhalten im sozialen Netz sind wichtig, sagt Gillmor, aber feste Regeln sollte es in einer Redaktion so wenige wie möglich geben. „Sie hemmen die Möglichkeiten für Journalisten mit den Nutzern zu kommunizieren.“ Mehr dazu auf der Webseite des American Journalism Review (siehe Überschriftenlink).

Amanda Cox Talks about Developing Infographics at the „New York Times“

Die Programmiererin Amanda Cox, die zum Infografikteam der „New York Times“ gehört, ist weniger für brillante Reden als für ihre brillanten interaktiven Datenvisualisierungen bekannt. Jess 3 hat jetzt mehrere Videos mit öffentlichen Auftritten von Amanda Cox zusammengestellt. Teilweise schwer verständlich (nicht inhaltlich, sondern weil Amanda Cox vieles vernuschelt), aber lohnenswert. Wer sich die Mühe lieber nicht machen möchte – hier ist ein Link zu einigen interessanten Vortragsfolien von Amanda Cox.

 


 

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Medial Digital“, VOCER darf ihn mit freundlicher Genehmigung der Autorin verwenden.

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