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Der Mensch im medialen Alltag

Der digitale Wandel stellt uns Menschen vor neue Herausforderungen. Was bedeutet es denn heute noch „smart“ zu sein?

Technologie verändert uns. Sie hilft uns dabei zu denken, zu argumentieren und zu entscheiden – dabei gelangen wir an unsere natürlichen Grenzen. Das Wort „smart“ wird in diesem Bereich inflatiomär verwendet und ist damit in Werbung und Marketing mit Bedeutungen überladen worden. Niemand weiß mehr, was es bedeutet smart zu sein – weder für Technik noch für Menschen.

Der digitale Wandel wirkt sich auf den medialen Menschen aus. Zum Beispiel durch die rasante Automatisierung von alltäglichen Routinen. Welche Fähigkeiten müssen neu erlernt werden und welche dürfen wir verlernen? Und gilt das für Alt und Jung gleichermaßen? Die Vorstellung einer von Informationstechnik durchdrungenen Welt wird eine gesellschaftliche und ökonomische Brisanz erlangen und sich in einem kulturellen Wandel wiederfinden, der sich vor allem in und mit Hilfe der Medien vollzieht. Diese werden genauso wie Kommunikation im Allgemeinen entzeitlicht und können in beliebiger Reihenfolge aktiviert werden.

Nicholas Negroponte schrieb in seinem Werk „Total digital„, dass die Massenmedien im Informationszeitalter gleichzeitig größer und kleiner wurden. Im Postinformationszeitalter würden sich Technologie und Medien jedoch noch stärker auf den Einzelnen beziehen. Der Mensch kann sich der medialen Involvierung nicht mehr entziehen. Er findet sich in einer Welt wieder, die aufhört zwischen on- und offline zu unterscheiden. Es wird ein Zustand beschrieben, in dem die Menschen umgeben sind von Alltagsgegenständen, die immer mit dem Internet verbunden sind, in dem sie Zugriff auf das gesamte archivierte Menschheitswissen haben, Live-Sendungen unterbrechen und auf einem beliebigen Gerät fortsetzen können, ferne Verwandte im Videochat erreichen und ihren Standort mittels Smartphone punktgenau bestimmen können.

Menschen werden effizienter

Computer wie auch ihre Charakteristika durchdringen den Alltag. In diesem Zusammenhang muss man sich von der überholten Vorstellung des Computers als geschlossene Einheit lösen. Denn es verbinden sich in der Mehrzahl einzelne, nicht mehr offen ausgewiesene Komponenten, Sensoren, Netzwerke und Prozesse zu den unterschiedlichsten Zwecken.

Technologien und Medien lösen die Grenzen des menschlichen Verstands und der menschlichen Wahrnehmung auf. Der Mensch selbst erfindet Hilfsmittel, die ihm Zugang zu Informationen gewähren, seine Gedanken strukturieren und dabei helfen effizienter zu arbeiten. Marshall McLuhan spricht in diesem Zusammenhang von den Auswirkungen durch Medien als Erweiterung unserer selbst: „We become what we behold. We shape our tools, and thereafter our tools shape us.“ Das läutet einen Medienumbruch ein, der neue Akteure, Räume und Konstellationen hervorbringt.

Gleichwohl lassen sich die Hoffnungen wie auch die Ängste der Menschen auf einen gemeinsamen Ursprung zurückführen: sie haben mit ihren gegenwärtigen Möglichkeiten noch keine zufriedenstellende Situation erreicht. Es hat sich gezeigt, dass es weder funktioniert, die Fehler der Vergangenheit durch neue Technik zu beseitigen, noch die Aufhebung der Fehler durch die Ablehnung der Technik zu bewirken. Der Mensch neigt dazu neue Techniken als Fortführung alter Gewohnheiten einzusetzen. Vielmehr sollte man aber den Wandel als Herausforderung begreifen alte Fehler zu suchen und zu korrigieren. Wir werden uns damit neue Fehler schaffen. Aber erst durch den Versuch der Nutzung kann Neues entstehen, sich Kreativität entfalten und der Alltag eine positive Weiterentwicklung erfahren.

Smart reagieren

Nun ist der Mensch zwar grundsätzlich dazu fähig mit Hilfe der Medien ein Verhältnis zur Welt, zu den Mitmenschen und zu sich selbst zu gewinnen, doch ist er dazu nicht von Anfang an in der Lage. Jeder Mensch trägt die Fähigkeit in sich, smart auf die Veränderungen des digitalen Wandels zu reagieren. Dafür braucht es ein stabiles System an Wertorientierungen sowie einen frühen Aufbau von einer Verantwortungshaltung gegenüber Medien, ihren Inhalten und Nutzungsformen. Die optimale Nutzung setzt daher nicht nur Medienkompetenz als ein spezifisches Können voraus, sondern auch ein breites Wissen über ihr Funktionieren, ihre Wirkmöglichkeiten und -mechanismen. Diese Form der Medienbildung ist Grundvoraussetzung für Souveränität im Umgang mit Medien – eine Fähigkeit, die man den Menschen nicht mehr nehmen kann. Unabhängig davon, ob sie mit Technologie interagieren oder ihre Sinne erweitern.

Der smarte Mensch zeichnet sich durch ganzheitliche Eigenschaften wie Eigeninitiative, Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, einen offenen Geist für Veränderungen und die Reflexion derselben aus. Im Sinne des gegenintuitiven Denkens ist es sein Hauptauszeichnungsmerkmal Veränderungen zuzulassen, diese auf seine Lebenssituation zu projizieren und die positiven wie negativen Folgen reflektiert abzuschätzen. Dadurch wird auch deutlich, dass es schon immer smarte Menschen gegeben haben muss. Denn Veränderung ist ein beständiger Prozess und der digitale Wandel nur das Ergebnis einer schleichenden Entwicklung, vor der wir uns als mündige Medienmenschen nicht fürchten müssen.


Mehr über „Der Smarte Mensch“ gibt es hier.

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