
Pressefreiheit damals und heute
Rudolf Augstein hat es nie gefallen, wenn ein Redakteur beim Vortrag der täglichen Nachrichtenlage zu leichtfertig Worte wie "Skandal"oder "Affäre" benutzte, um ein Thema zu bewerten. Was bedeutete es schon, wenn ein windiger Investor ein paar Geldanleger aufs Kreuz legte; wenn ein Minister private Geschäfte mit Dienstlichem vermischte; oder ein Industriekonzern Politiker aller Parteien mit Bargeld schmierte? Alles kleine Gaunereien. Ein Skandal, pflegte Augstein zu sagen, war allenfalls, dass sich ein britischer Verteidigungsminister, zumal ein konservativer, mit einer Nutte erwischen ließ. Auch die Polizeiaktion gegen den "Spiegel" im Oktober 1962, fügte er dann hinzu, reiche vielleicht an diese Kategorie heran. War es Bescheidenheit, Desinteresse, Koketterie oder gar die Sorge um Seriosität, wenn der "Spiegel"-Herausgeber zu maßvoller Wortwahl riet? Nichts von alledem. Es war Augsteins feste Überzeugung, ...
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Erklärer
Mit dem Abstand von fünf Jahrzenten beleuchtet VOCER die "Spiegel"-Affäre, diese historisch einmalige Nagelprobe für die noch junge Bundesrepublik. Als Einzelereignis hat sie der Demokratie und Pressefreiheit im Land zwar nicht zum Durchbruch verholfen, war aber eine der wichtigsten Lektionen in diesem Lernprozess.
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