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Sehr geehrter Prof. Dr. Weichert, dem gibt es lediglich hinzuzufügen, dass jene Schlammschlachten am Ende alle Journalisten in diesem Land ausbahnen müssen. Wir erweisen unserem Berufsstand keinen Gefallen, wenn wir nicht die publizistische Leistung in den Vordergrund stellen, sondern uns nur wiederholen und damit deutlich machen, wie abhängig der Journalismus von der Aufmerksamkeit doch ist. Deshalb herzlichen Dank für diese Reflektion. Silke Liebig-Braunholz
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es sich ausschließlich darum dreht, wie sich die Alpha-Journalisten augenblicklich einem, dem im Amt stehenden Bundespräsidenten gegenüber verhalten. Christian Wulff ist nun meiner Ansicht nach keine Lichtgestalt, die durch ein überragendes Auftreten den Mantel der Unschuld trägt. Da der Bundespräsident in persona durch eine indirekte Wahl, die der Bundesversammlung gewählt wird, dem Volk diese Entscheidung abgenommen wird, ist es doch legitim zu hinterfragen, ob es sich um der im Amt befindlichen Person auch um jene handelt, die mit Kompetenz, Sachverstand und einem reinen Gewissen (von der "reinen Weste" abgesehen) das Volk der Bundesrepublik Deutschland nach innen und außen vertreten sollte. Christian Wulff hat meiner Meinung nach selbst immer wieder für Zündstoff gesorgt und nach wie vor sind Fragen ungenügend oder gänzlich unbeantwortet. Sich an seinem Amtstuhl festzubeißen, wohlwissend dass er lediglich durch eine Zweidrittelmehrheit der Abgeordneten des Bundestages abgesetzt werden könnte, ist wohl nur noch das letzte Aufbegehren- aber Schuld daran tragen nicht die Medien. (Vielleicht nicht ganz uninteressant, zumal Hans Leyendecker seine Meinung vertreten darf- Sendung am 09.01.2012 Der Pattex-Präsident - was lehrt der Fall Wulff? | 21.00 Uhr)
Liebe Frau Liebig-Braunholz, was soll ich sagen: Ja, so ist es! Danke für Ihren wertvollen Kommentar. Viele Grüße, Stephan Weichert
Man kann sicherlich geteilter Meinung darüber sein, ob sich alle Medienvertreter bei der Berichterstattung über die Wulff-Affäre einwandfrei verhalten haben. Aber meiner Meinung nach ist es weiterhin keine Medien-, sondern primär eine Wulff-Affäre. Wäre Christian Wulff damit offener und geschickter umgegangen, hätten die Medien nichts (oder zumindest weniger) über ihn zu berichten gehabt. Durch sein Verhalten demonstriert er immer wieder, dass er nicht fürs Amt des Bundespräsidenten geeignet ist. Solange wir es haben (wir brauchen es nicht, denke ich - aber das ist eine andere Diskussion), ist das Staatsoberhaupt auch eine moralische Instanz. Der jeweilige Amtsinhaber muss daher besondere moralische Ansprüche erfüllen. Wenn er dies nicht tut, ist es der Job der Medien, darauf hinzuweisen. Wulff selbst war bei Verfehlungen anderer Politiker immer schnell mit Rücktrittsforderungen bei der Hand. Logisch, dass ihn Journalisten auch an seinen eigenen Ansprüchen messen.
Lieber Herr Jebsen, es bleibt eine Wullf-Affäre, da haben Sie natürlich Recht. Aber diese hat sich längst zur Medienaffäre entwickelt, meine ich. Ob und warum Wulff zurücktritt, ist eine Sache. Wie die Journalisten damit derzeit umgehen, eine völlig andere. Damit kritisiere ich nicht die inquisitorischen Nachfragen und die Rechercheleistungen, sondern die Kampagnenhaftigkeit der Berichterstattung. Es gibt offenbar auch aufseiten der Medien eine Art Salamitaktik, die in erster Linie der Auflagensteigerung dienen soll, zum anderen auch der Selbstbeweihräucherung einiger Journalisten, die sich für politische Aktaure halten. Bleiben wir gemeinsam dran! Beste Grüße, Ihr S.W.
Ich kann mich da Frau Liebig-Braunholz nur anschließen. Wenn ich sehe, wie sich Herr Mascolo und Herr Blome beim "Jauch-Talk" gegenseitig den Ball zuwerfen, ist eine Salamitaktik beinahe untertrieben. Eine wirklich erstaunliche Harmonie zwischen "Bild" und "Spiegel". Nicht verwunderlich, dass die beiden Herren bei dem Wort "Auflagensteigerung" so nervös werden. Und dieses Verhalten wird leider schlussendlich auf den gesamten Journalismus zurück fallen. Denn ich bezweifel, wenn das so weiter geht, dass aus dieser Affäre (egal ob Wulff- oder Medienaffäre) auch nur einer mit einem blauen Augen rauskommt, weder Herr Wulff, noch, und das bedauer ich sehr, DER Journalismus.
