13. Dezember 2011
Über die vermeintlich geringe gesellschaftliche Relevanz der Medien- und Kommunikationswissenschaft wird gerne von der eigenen Zunft lamentiert. Denn als einflussreich werden - Wirtschaftskrise hin oder her - vor allem Ökonomen und Juristen, aber auch Naturwissenschaftler und Mediziner wahrgenommen. Medien- und Kommunikationswissenschaftler schafften es hingegen - so die aktuelle Nabelschau in der Vereinspostille "Aviso"* (PDF) - nicht ins Kanzleramt, sondern allenfalls ins Feuilleton. Und selbst dort seien ihre Stimmen unterrepräsentiert.
Gerade jüngst scheinen sich die Alpträume der medien- und kommunikationswissenschaftlichen Zunft materialisiert zu haben: Eine der bedeutendsten Institutsneugründungen der vergangenen Jahre, das von Google mitfinanzierte "Institut für Internet und Gesellschaft" in Berlin, wurde von Politikwissenschaftlern, Juristen und Ökonomen aufgegleist, Medien- und Kommunikationskollegen spielten allenfalls eine Randrolle. Immerhin wird das Hans-Bredow-Institut als assoziiert aufgelistet. Aber ansonsten sieht es für die Medien- und Kommunikationswissenschaftler düster aus.
Warum also dieser geringe Einfluss?, wird verzweifelt gefragt und dabei auf die gestiegenen Zahlen von Studienprogrammen und Studierenden verwiesen. Doch was die Masse der Studierenden anbelangt, sind die Zahlen relativ: Medien- und kommunikationswissenschaftliche Studiengänge haben tatsächlich an Zahl zugenommen, und auch die Zahl der Studierenden wächst.
Der Vergleich mit anderen Studiengängen zeigt allerdings deren relative Größe: Wirtschaft und Technik, Recht und Medizin, Psychologie, Informatik und Mathematik heißen die bevorzugten und meiststudierten Fächer in Deutschland. Medien und Kommunikation tauchen in dieser Statistik (PDF) nicht auf. Und selbst wenn das Fach als Teil der Sozialwissenschaften gezählt würde, stünde es unter ferner liefen.
Irgendwas mit Medien
Auch gemessen an der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung liegt der Bereich "Information und Kommunikation" in Deutschland im unteren Drittel der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (PDF). Wenngleich es sich um einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor mit wachsender Beschäftigung handelt, nehmen sich "Information und Kommunikation" im Vergleich mit den großen Feldern des verarbeitenden Gewerbes und des Handels in Deutschland noch immer klein aus.
Liegt hier also der wahre Grund für die diagnostizierte geringe öffentliche Wahrnehmung und schwache Schlagkraft des Fachs? Wohl kaum. Die Relation zwischen großer Diversität ("Irgendwas mit Medien") und hoher Spezialisierung kann schon eher als Grund gelten. Es ist fraglich, ob die Öffentlichkeit Medien- und Kommunikationswissenschaft als Einheit wahrnimmt.