Von Lautsprechern und Leisetretern

Von Lautsprechern und Leisetretern

von Lars Rademacher
21. Oktober 2011

Dieser Artikel erschien zuerst in der DGPuK-Publikation "Aviso". VOCER übernimmt ihn mit freundlicher Genehmigung des Autoren.


Vielleicht gibt es ja gar kein Problem. Denn warum eigentlich sollten kommunikationswissenschaftliche Forschungsergebnisse sich in der Tagespresse wiederfinden? Warum sollten sich angesehene Wissenschaftsmagazine dafür interessieren? Warum sollten kommunikationswissenschaftliche Experten zu aktuellen Fragen Stellung nehmen?

Die Antwort ist simpel: weil bei geringer Sichtbarkeit ganz schnell der Eindruck entstehen kann, es mangele der Medien- und Kommunikationsforschung an gesellschaftlicher Relevanz. Und genau das lassen sich Medien- und Kommunikationswissenschaftler nur ungern sagen; denn die Unterstellung fehlender Bedeutung ist eine schmerzende und tief sitzende Kränkung. Immer wieder wurde behauptet, Kommunikationswissenschaft sei bestenfalls überflüssig, sie bilde zu nichts wirklich aus.

Eine Bemerkung des Soziologen Ferdinand Tönnies, die er auf dem Soziologenkongress 1930 im Streit mit den Publizistikwissenschaftlern Emil Dovifat und Hans A. Münster äußerte, ist sogar legendär geworden: Tönnies war der Ansicht, nicht jeder Gegenstand rechtfertige eine eigene Wissenschaft und bezeichnete die neue Zeitungswissenschaft im Vergleich als "Enten- und Hühnerwissenschaft". Ebenso wenig wie jene (weil die Zoologie die entsprechenden Fragen ausreichend berücksichtige) brauchte es für Tönnies die Zeitungswissenschaft - denn in der Soziologie waren die betreffenden Fragen aus seiner Sicht gut aufgehoben.

Gefühlte Bedeutungslosigkeit

Die historische Entwicklung hat zwar eine andere Richtung genommen, als von Tönnies intendiert. Dennoch: die Kränkung ist geblieben. Und die "gefühlte" Bedeutungslosigkeit auch. Doch anders herum gefragt: Was haben die Medien- und Kommunikationswissenschaften dafür getan, dass sie mehr Relevanz in der öffentlichen Wahrnehmung erführen? Gibt es Kommunikationsstrategien für das Fach als Ganzes? Nicht dass sie zu erkennen wären. Gibt es zumindest Strategien für einzelne Institute? Möglich, doch nur in Einzelfällen nimmt man Notiz davon.

Was es allerdings gibt, sind die herausragenden Gestalten, die das Fach geprägt haben. Und viele von ihnen wurden in den letzten Jahren emeritiert - oder ihre Emeritierung steht kurz bevor. Und die neuen, exzellenten Kollegen? Die sind zumeist so zeitraubend damit beschäftigt, sich um ihre eigene wissenschaftliche Karriere zu kümmern, dass ihnen für die Positionierung des Faches kaum Zeit bleibt. Und das ist ganz klar ein Fehler!