Die Krise, das sind wir selbst

Die Krise, das sind wir selbst

von Holger Hettinger
20. September 2011

Krisen, internationale Brandherde, Katastrophen, politische Zuspitzungen - eigentlich, so möchte man meinen, sind das Situationen, in denen der Journalismus seine Trümpfe so richtig ausspielen kann: Aktualitätsbezogen und faktengesättigt wird der Leser/Zuhörer/Zuschauer mit "Breaking News" und Sachstandsberichten versorgt, mit Hintergründen und Einordnungen, mit Positionen und Meinungen.

Der Korrespondent als souveräner Berichterstatter, der seine Heimatredaktion material- und kenntnisreich mit den Produkten seiner journalistischen Kunst versorgt: Dieses Bild gefällt vielen Medien-Protagonisten zu sehr, um es einer kritischen Betrachtung zu unterziehen.

Dabei wäre genau jene kritische Würdigung dringend angezeigt - denn allzu oft hat sich, als sich der Pulverdampf der Aktualität verzogen hatte, ein schales Gefühl eingestellt: Gespeist aus dem journalistischen Bauchgefühl, wieder einmal nur den unreflektierten Durchlauferhitzer des Tagesgeschehens gegeben zu haben, hinterlässt die mediale Behandlung von Krisen häufig den Eindruck, nicht gerade der souveränsten journalistischen Vorstellung beigewohnt zu haben.

Zu schnell, zu voreilig, zu dramatisch, zu unreflektiert, zu hilflos gegenüber den üblichen journalistischen Schnappreflexen: Das müssen sich so manche Redaktionen vorwerfen lassen. Auch diejenigen, die das Mantra "Präzision vor Schnelligkeit" geradezu ostentativ vor sich hertragen.

Zwischen präzisen Analysen und hanebüchenen Fehlern

Das klingt wie ein Vorwurf. Ist aber keiner. Um es ganz klar zu sagen: Sowohl in der Berichterstattung über die Anschläge vom 11. September 2001, über die Revolution in der arabischen Welt als auch über den Tsunami in Japan ist viel Gutes geschrieben und gesendet worden. Hintergründige Analysen, verlässliche Live-Berichterstattung unter hohem Zeit- und Erwartungsdruck, erhellende Einordnungen - das war eher die Regel als die Ausnahme.

Das soll jedoch nicht die teilweise hanebüchenen Fehler entschuldigen. Ob man fehlerhafte Berichterstattung allein dem Fernsehen attestieren kann, wie Ranga Yogeshwar es beim "Berliner Medien-Diskurs" der Konrad-Adenauer-Stiftung tat - er warf TV-Journalisten vor, eine "miserable Rolle gespielt" zu haben -, sei mal dahingestellt.

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