18. Juni 2012
Nachdem sich die Politik lange Zeit dagegen sperrte, Deutschland als Einwanderungsland zu bezeichnen, hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken eingesetzt. Deutschland gilt mittlerweile nahezu selbstverständlich - wie unter anderem der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration betont - als ein "Migrationsland". Mit rund 19 Prozent verfügt nach Angaben des aktuellen Mikrozensus ein beträchtlicher Anteil der Bevölkerung über einen Migrationshintergrund. Einhergehend mit dieser Erkenntnis sind zahlreiche konkrete Initiativen entstanden, welche die gesellschaftliche Integration im Migrationsland Deutschland voranzutreiben versuchen. Im Mittelpunkt steht hierbei insbesondere die Frage, wie eine Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland in besonders guter Weise gelingen kann.
Dem Sport und den Medien werden dabei Schlüsselrollen zugewiesen.
So weist unter anderem der "Nationale Integrationsplan der Bundesregierung" Sport wie Medien als zentrale Themenfelder einer integrationsfördernden Politik aus. Auch der aktuelle "Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland" hebt das große Integrationspotenzial von Sport wie Medien hervor.
Umso mehr verwundert es, dass es in den in den einzelnen Fachverbänden wie in der Wissenschaft geführten Diskussionen um die Relevanz von Sport und Medien für die angestrebten Integrationsprozesse an einer die Potenziale von Sport und Medien verknüpfenden Perspektive bisher weitestgehend fehlt. So bestehen zwar generelle Studien und Erkenntnisse zur Mediennutzung durch Migranten und zur Darstellung von Migranten in den Medien (wie unter anderem die aktuelle Studie der ARD/ZDF-Medienkommission (Simon und Neuwöhner 2011)) sowie zu den Integrationsmöglichkeiten durch den Vereinssport - eine Betrachtung und Reflexion der Rolle des Sportjournalismus im Themenfeld Integration und Migration ist bisher jedoch weitestgehend ausgeblieben.
Über alle Schichten hinweg
Dabei liegen die Argumente, die gerade den medial vermittelten Sport als interessantes Handlungsfeld für Integration und Partizipation ausweisen, eigentlich auf der Hand. In der medialen Vermittlung von Sport kann die erfolgreiche gesellschaftliche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in besonders anschaulicher Weise und - dies ist besonders wichtig - zugleich für eine breite Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden.
Schließlich ist Sport ein Medienangebot, mit dem besonders viele Zuschauer über alle Schichten hinweg erreicht werden können. Regelmäßig belegen Sportübertragungen in Zuschauerrankings die ersten Plätze. Erreicht werden dabei nicht die selbst im Sport Aktiven, sondern auch die große Zahl derjenigen, die sich "nur" als Rezipierende für Sport interessieren - oder, wie in Teilen junge Frauen mit Migrationshintergrund, aus bestimmten Gründen keinen Sport treiben dürfen.