Der Traum vom großen Geld

Der Traum vom großen Geld

von Verena Burk
8. Juni 2012

Vor 60 Jahren war die Sport- und Fernsehwelt einfach. Das 1952 eingeführte Erste Programm der ARD war das einzige und zeigte Ruderregatten, Autorennen und Reitturniere. Der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) zahlte zwischen 1.000 und 2.500 Mark pro Spiel für die Übertragungsrechte direkt an die Vereine der damaligen Fußball-Oberliga. Die Gründung der Bundesliga 1962 und der Beginn des ZDF-Sendebetriebs im April 1963 änderten fast nichts. ARD und ZDF kooperierten - auch beim Erwerb von Senderechten. Andere Konkurrenz gab es nicht, die Preise für Sportrechte waren moderat.

Die Privaten kommen

Dies änderte sich, als Mitte der achtziger Jahre private Fernsehsender in Deutschland zugelassen wurden. Einem begrenzten Angebot an Sport stand nun eine große Anzahl interessierter Fernsehsender gegenüber. Die Gründung von Sportkanälen mit 24-Stunden-Sendezeit verschärfte den Wettbewerb. Die Ware Sport war heiß begehrt. Sport war nicht ein beliebiges Angebot, mit dem Sendeplätze gefüllt wurden, sondern versprach hohe Einschaltquoten und einen Imagegewinn für die TV-Sender. So kauften die Privaten ein: Sat.1 die Basketball-Bundesliga und die Red Bull Air Race World Series, RTL zeigte Beach-Volleyball, die Rechte für Eiskunstlaufen, Tanzen, Golf und Wrestling gingen an den Spartensender DSF.

Der Erfolg hielt sich in Grenzen. Geld ließ sich mit solchen Sportarten im deutschen Fernsehen nicht verdienen. Aber mit Fußball. Die Free-TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga erwarben für die Jahre 1988 bis 1992 RTL, anschließend Sat.1.

Ab 1990 mischte auch Premiere als Pay-TV-Sender auf dem deutschen Fernsehmarkt mit und beteiligte sich rege am Erwerb von Sportrechten. Auch an der Fußball-Bundesliga - anfangs wurde wöchentlich ein Top-Spiel der Bundesliga live übertragen, im Laufe der Zeit wurde dieses Angebot ausgebaut. Somit war neben die Konkurrenz zwischen den öffentlich-rechtlichen und den privaten Sendern auch die Konkurrenz zwischen dem frei empfangbaren Fernsehen mit dem Bezahl-Fernsehen getreten.

Dies hatte auch Auswirkungen auf den Sportrechtehandel und die Preise für die Fußball-Bundesliga: Kirch Media zahlte für die Übertragung der Fußball-Bundesliga in den Sendern Sat.1 und Premiere World von 2000/01 bis 2001/02 eine Lizenzgebühr von 683 Millionen Euro - und war 2002 wegen Überschuldung insolvent.

Die Klassengesellschaft im deutschen Sport

Die Kosten für Fußball-TV-Rechte sind nach wie vor hoch. Neben Fußball sind die Rechte an der Formel 1, am Boxen und am Wintersport wertvoll. Diese Sportarten garantieren hohe Einschaltquoten, machen Veranstalter, Vereine und Sportler reich und bescheren Sponsoren und Werbepartnern große Aufmerksamkeit.

Kleinere Verbände und ihre Sportarten haben es schwer, im deutschen Fernsehen gezeigt zu werden. Zwar existiert seit 1980 ein Globalvertrag zwischen den öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ARD/ZDF und damals 36 Sportverbänden, der im Laufe der Zeit immer wieder modifiziert wurde, etwa weil Sportverbände ein- bzw. austraten. Die Erwartungen, die Sportverbände mit diesem Vertrag verbanden, erfüllten sich nicht.

Im Gegenteil: Bei vielen Sportarten verringerten sich sowohl die Erlöse beim Rechteverkauf als auch die TV-Präsenz. Um ihren Sponsoren dennoch Sendezeit zu verschaffen, wurden neue Modelle entwickelt: Als erster nationaler Verband beteiligten sich der Deutsche Tischtennis Bund und seine Bundesligavereine mit 600.000 Mark an den Fernseh-Produktionskosten des Spartensenders DSF, um so die Übertragung von zwölf Meisterschaftsspielen zu gewährleisten. Andere Verbände folgten, das Modell wird von einigen Sportarten bis heute angewandt: Nur wenn sich die Verbände an den Kosten der TV-Produktion beteiligen, schauen Kameras zu.

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