Eine Verjüngungskur, bitte!

Eine Verjüngungskur, bitte!

von Edda Humprecht
11. Mai 2012

Medienwandel, Medienkrise, Internet-Revolution: Nicht nur die Medienorganisationen durchleben seit einigen Jahren einen Transformationsprozess; auch die Wissenschaft, die sich mit diesen Veränderungen befasst, verändert sich. Als Studienfach haben Medien- und Kommunikationswissenschaften an Attraktivität gewonnen, doch in der Forschung hat der Nachwuchs nach wie vor kaum einen Platz.

Dies liegt größtenteils an den wesentlichen Akteuren, den Wissenschaftlern. Das massenmediale Kommunizieren, obgleich Gegenstand des Faches, ist zumindest außerhalb der akademischen Sphäre teils verpönt, teils haben Wissenschaftler noch immer nicht gelernt, sich so auszurücken, dass sie von einem breiten Publikum verstanden werden. Dies mag sich mit einer neuen Generation von Wissenschaftlern ändern, denen es teilweise leichter fällt, ihre Ergebnisse zu kommunizieren und die sich auch selbstständig an ein breiteres Publikums richten: auf Blogs, Websites, in regelmäßigen Kolumnen oder Artikeln.

Niedriges Gehalt, hoher Druck

Dennoch, diese neue Generation ist schwach besetzt und bekommt nur wenige Anreize. Wie fast überall an der Uni gilt: Die Gehälter sind niedrig, und begrenzte Arbeitsverträge und schlechte Aufstiegsperspektiven halten geeignete Kandidaten ab. In der Schweiz etwa, wo berufliche Einstiegschancen für Hochschulabsolventen sehr gut und die Verdienstmöglichkeiten in der Wirtschaft jene an den Universitäten bei Weitem übersteigen, wird es zunehmend schwieriger, Doktorandenstellen zu besetzen, ein Großteil der Bewerber kommt aus dem Ausland.

Um diesem Problem zu begegnen, forderte jüngst eine Initiative junger Forschender in einem Positionspapier die Schaffung von tausend neuer Assistenzprofessoren, die später in ordentliche Professuren umgewandelt werden sollen, so genannte "tenure track positions". Außerdem soll der Bruttolohn von Doktorierenden auf umgerechnet mindestens 3.300 Euro angehoben und forschende Frauen mit Kindern stärker gefördert werden. All dies sei notwendig, so die Initiatoren, um die Schweiz nicht nur als Ausbildungs-, sondern auch als Forschungsstandort zu positionieren. Anderenfalls könnten Professuren zukünftig nur noch mit teuren Auslandszukäufen "à la Real Madrid" besetzt werden.

Die Universität Zürich reagierte und erklärte umgehend die Nachwuchsförderung zum strategischen Zukunftsziel: mehr Masterstudierende, mehr Doktoranden, mehr Assistenzprofessoren sollen in den kommenden Jahren an die Uni geholt werden.

Allein die Umsetzung bleibt abzuwarten, schließlich kosten Assistenzprofessoren weit weniger als ordentliche Professuren, und dass sie leicht zum Karrieresackgasse geraten können, hat sich bereits an einigen Universitäten in Deutschland gezeigt. Die hohe Arbeitsbelastung und geringe Unterstützung lassen kaum Zeit für eigene Forschung, und ehe man sich versieht, ist die finanzielle Förderung ausgelaufen.