25. April 2012
Es werden kaum noch Geräte entwickelt, die offline sind oder nicht zumindest an ein internetfähiges Gerät angeschlossen werden können: Radios erhalten eine WLAN-Schnittstelle, aus Mobiltelefonen werden smarte Alleskönner und selbst Kühlschränke gehen mittlerweile "ins Netz".
Nicht alle Online-Errungenschaften sind immer auch zwingend notwendig oder auch nur sonderlich hilfreich. Doch in der Gesamtschau können wir aufgrund der Internetfähigkeit und der offenen Schnittstellen der Consumer Electronics heute eine Konvergenz der Geräte feststellen, die maßgeblich Einfluss auf unser alltägliches Leben nimmt.
Weil immer mehr Geräte online sind, verschmelzen die originären Funktionen der Endgeräte miteinander: Bewegtbilder laufen nicht mehr nur auf dem Fernseher, einzelne Radiosendungen heißen heute Podcast und sind im Abo erhältlich, und ein Telefon macht Fotos in einer höheren Auflösung als manch professionelle Kamera. Die Geräte und ihre ureigenen Funktionalitäten verwischen immer stärker, und das zeigt sich in besonderer Weise bei den Endgeräten, die der individuellen sowie massenmedialen Kommunikation dienen: PCs sowie Tablets, Mobiltelefone und zunehmend auch Fernseher.
Superlativ zusammenwachsender Medien
Das, was wir heute an Entwicklungen der Massen- sowie der Individualkommunikation beobachten, ist mehr als ein "sich annähern". Auf den verschiedenen Ebenen der medienvermittelten Kommunikation können wir nicht nur ein "aufeinander zugehen", sondern schon vielmehr ein "ineinander aufgehen" feststellen. Die Konvergenz findet im kompletten Medienprozess statt: Produktion, Distribution und Nutzung. Die Medien verschmelzen miteinander, wir beobachten ein Merging Media. Merging Media ist die Konsequenz der Konvergenz auf allen Ebenen der medienvermittelten Kommunikation, es ist gewissermaßen ihr Superlativ.
Das Verschmelzen lässt sich insbesondere bei der Mediennutzung nachvollziehen. Die großen Plattformen sind die absoluten Treiber dieses Trends. Dank der internetfähigen Mobiltelefone, Tablets und schließlich auch Fernseher gelangen Plattformen wie Facebook oder YouTube ins ständige Nutzungsumfeld des Einzelnen. Ist ebendieses konvergierende Nutzungsverhalten nun die große Gefahr für die Rundfunkveranstalter? Naht durch diese Ablenkung des Zuschauers nun das Ende des linearen Rundfunks? Ist das Merging Media das Ende von RTL und ProSieben?
Das Fernsehen ist tot, es lebe der Bildschirm!
Die tröstliche Antwort muss lauten: Nein, so schnell kommt das dicke Ende des Fernsehens wohl kaum.
Das technologische Zusammenwachsen ist Segen und Fluch zugleich. Merging Media bereitet der Geräteindustrie immer neue Geschäftsfelder, hervorragende Verkaufszahlen und damit insgesamt wohl große Freude. Diese Entwicklung ist ein Segen für die Geräteindustrie, weil sie der Verkaufsmotor schlechthin ist - größer, schneller, online, das sind die Verkaufsschlager auch im TV-Bereich.
Für die Inhalteindustrie ist Merging Media ebenfalls Segen, aber auch ein wenig Fluch. Für alle Anbieter von Diensten und Inhalten, die bislang nicht auf dem großen Bildschirm zu sehen waren, sind offene Schnittstellen und die Onlinefähigkeit des TV-Geräts das Einfallstor ins Wohnzimmer der Menschen. Dank der Cloud wird die Fülle an Angeboten, die nun über diesen hochwertigen Monitor laufen, immer umfassender. Urlaubsvideos, WebTV aber auch Videokonferenzen bekommen eine ganz andere Nutzungsqualität auf dem ans Internet angeschlossenen TV-Bildschirm. Die Usability ist sicherlich ausbaufähig, doch ist darauf zu vertrauen, dass kreative Entwickler gemeinsam mit Geräteherstellern anspruchsvolle und dennoch handhabbare Lösungen für die Navigation finden werden.
Die Rundfunkveranstalter beklagen in erster Linie den Fluch dieser Geräte. Sie sehen ihr Rundfunksignal, ihren heiligen Fernsehbildschirm durch die "multi-taske" Bildschirmaufteilung gefährdet. Betrachtet man nicht nur Connected TV, also die internetfähigen TV-Geräte, sondern insgesamt die Connected Devices, alle internetfähigen und miteinander verbundenen Geräte, zeichnet sich allerdings ein differenziertes Bild ab: Segen und Fluch. Smarte Geräte können den Rundfunk auch retten.