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Alles neutral: Netzneutralität, Suchergebnis-Neutralität

In den Linktipps geht es diese Woche um Neutralität: Auf dem Markt, beim Sharing und bei den Suchergebnissen in den europäischen Google-Versionen.

Killing Net Neutrality Helps Underdogs Succeed

Die vereinfachende Überschrift tut diesem interessanten Meinungsbeitrag bei Wired Unrecht: Autor Berin Szoka argumentiert nicht gegen die Netzneutralität, sondern dagegen, Monopolstrukturen nur bei Telefonriesen wie AT&T zu vermuten oder bei den Kabelnetzgiganten Comcast oder Time-Warner (von den sich der erste jetzt den zweiten einverleiben will). Auch Underdogs oder Newcomer auf diesem Markt haben eine gewaltige Marktmacht, betont Szoka: Apple diktierte bei Auslieferung des ersten iPhone die Bedingungen für seinen Exklusivdeal mit Providern in mehreren Ländern. Und Netflix, nicht Time-Warner, so Szoka, habe für Time-Warner-Kunden die Streaming-Kapazität für Netflix-Videos absichtlich gedrosselt, um sie zur Kündigung ihres Netz- und Kabel-TV-Paket-Vertrags zu motivieren. Autor Brent Skorup nimmt unter diesem in einem zweiten Gastbeitrag eine andere Haltung ein. Interessant sind auch viele Kommentare.

You’re not going to read this

Adrienne Jeffries argumentiert bei The Verge (Überschriftenlink), dass es keinen Zusammenhang gebe zwischen den Inhalten, die Nutzer im Netz liken, plussen, sharen und retweeten und den Inhalten, die sie wirklich bis zum Ende lesen, hören und ansehen. Der Analyst von Chartbeat, auf den sich Jeffries stützt, ist vorsichtig mit seinen Aussagen. Ihn hatte ich gestern per Twitter gefragt, ob es einen Zusammenhang zwischen vorzeitigem Sharen und und der Platzierung der Sharing-Buttons gebe. Upworthy-Gründer Eli Pariser, mit dem ich heute in ähnlichem Zusammenhang einen kurzen und interessanten Twitter-Austausch hatte, verweist in diesem Blogpost darauf, dass zumindest bei Upworthy die Länge der Beiträge für die Aufmerksamkeit („attention minutes“) und für die Sharing-Rate kaum eine Rolle spiele.

The Commenters’ Bill of Rights

Derek Powazek formuliert einen Rechtekatalog für die Verfasser von Internet-Kommentaren. Besonders interessant: Das Recht zum Redigieren oder Löschen des eigenen Kommentars. Einige Auswüchse würden sich erledigen, wenn Nutzer sich selbst korrigieren könnten, nachdem sie schwarz auf weiß ihre veröffentlichten Worte sehen. Doch Korrekturfunktionen bieten gerade Medienwebsites, die sich mit am lautesten über das niedrige Niveau vieler Kommentare beklagen, nur sehr selten an.

The new Pando: „Speaking truth to the new power

Sarah Lacy, Gründerin der Tech-Website Pando Daily, zieht nach zwei Jahren Bilanz: warum das zweite Jahre schwieriger war als das erste und warum Nachrichten-Websites, die mit Inhalten handeln, ob werbefinanziert oder mit anderem Geschäftsmodell, aufpassen sollten, nicht zu sehr von Risiko-Kapitalgebern und anderen Investoren abhängig zu werden: Ihre Gewinnzone ist oft erst nach Jahren in Sicht. Lacy will Pando Daily jedenfalls lieber langsam und beständig wachsen lassen. Interessante Einsichten für Unternehmerjournalisten, auch wenn siebenstellige Finanzierungen im deutschsprachigen Raum für verlagsunabhängige journalistische Gründungen in weiter Ferne stehen.

Settlement with the European Commission

Google hat sich mit der Europäischen Kommission unter anderem darauf geeinigt, wie die Suchergebnisse in den europäischen Google-Versionen künftig dargestellt werden sollen, damit Wettbewerber nicht benachteiligt werden, und erläutert die Ergebnisse in einem kurzen Blogpost. Künftig müssen jeweils mindestens drei andere Anbieter an gleichwertiger Stelle in der Suchergebnissen zu sehen sein. In einer Pressemitteilung der EU-Kommission gibt es Screenshots, wie das aussehen soll.


Diese Kolumne erscheint auf  „MedialDigital„.

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